Außerhalb der Sanctuary Cities reicht es schon, von der Polizei wegen eines kaputten Bremslichts angehalten zu werden. Stellt sich heraus, dass Fahrer oder Passagiere keine Papiere haben, werden sie an das ICE überstellt und kommen in eines der 200 Abschiebegefängnisse, die mehrheitlich von privaten Unternehmen betrieben werden. Über 400.000 Häftlinge werden jährlich durch das System geschleust. Unter Obama wurden mehr als 2,5 Millionen illegale Einwanderer abgeschoben, deutlich mehr als unter allen seinen Vorgängern. Der Präsident versuchte, durch diese Härte die Voraussetzungen für einen Kompromiss mit den Republikanern zu schaffen. Doch der kam nie.

Um wenigstens Fällen wie Rosanna zu helfen, hatte Obama eine Anordnung erlassen, die die Abschiebung aussetzt und den sogenannten Dreamern – in Anlehnung an den American Dream – eine Arbeitserlaubnis erteilt. Die Regelung läuft allerdings jetzt aus und müsste von Donald Trump verlängert werden. Viele Dreamer reagierten entsetzt, als das ICE vergangene Woche den 23 Jahre alten Daniel Ramirez Medina verhaftete. Er war mit sieben Jahren mit seinen Eltern aus Mexiko illegal über die Grenze gekommen. Das ICE erklärte, Ramirez sei Mitglied einer Gang. Sein Anwalt weist den Vorwurf zurück. Um als Dreamer registriert zu werden, müssten die Antragsteller gründliche Background-Checks erfüllen. Sein Mandant sei mehrfach überprüft worden.

Treuen Steuerzahlern droht nun die Abschiebung

Für viele Illegale war ein Durchgreifen, wie es Trump nun plant, unvorstellbar. Als Obama gewählt wurde, glaubten sie, ein Weg in die Legalität sei absehbar. La Promesa de Obama – Obamas Versprechen – nannten es die spanischsprachigen Einwanderer. Sie lebten den amerikanischen Traum. 35 Prozent erwarben ein  eigenes Haus. Viele zahlten freiwillig Steuern, in der Hoffnung, dies später als legale Bürger angerechnet zu bekommen. Das könnte sich nun als schwerer Fehler erweisen. Die Steuerbehörde IRS hat eine Liste von Steuerzahlern ohne Sozialversicherungsnummer – zum großen Teil illegale Einwanderer. Trump könnte anordnen, die Liste an das ICE zu übergeben.

Manche Illegale wollen nicht warten, bis die Agenten an ihre Türe pochen. Seit Trump im Amt ist, schleichen sich im Schutz der Nacht ganze Familien über die Grenze – nach Kanada.