Nach dem Mord am Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Malaysia hat die Polizei eine Verdächtige festgenommen. Die Frau wurde nach Polizeiangaben am Flughafen von Kuala Lumpur gefasst, wo Kim Jong Nam am Montag getötet worden war. Die 28-Jährige mit vietnamesischem Pass wurde demnach auf Bildern von Überwachungskameras identifiziert.

Kim ist der ältere Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Beide haben denselben Vater, den früheren Machthaber Kim Jong Il, aber unterschiedliche Mütter. Südkoreanische Medien hatten am Dienstag berichtet, dass der 45-Jährige in Malaysia getötet worden sei. Er wurde demnach von zwei nordkoreanischen Agentinnen vergiftet, die danach entkamen.

Am Mittwoch bestätigten die südkoreanischen Behörden die Berichte. "Unsere Regierung ist sich sicher, dass der ermordete Mann Kim Jong Nam ist", sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums.

Kims Leiche wurde am Mittwoch unter Polizeischutz für die Obduktion in ein Krankenhaus in Kuala Lumpur gebracht. Einer der Chefermittler sagte der malaysischen Zeitung The Star, Kim habe sich nach dem Angriff an das Flughafenpersonal gewandt. Er sagte demnach, jemand habe ihn von hinten am Gesicht gepackt und mit Flüssigkeit besprüht. Daraufhin sei Kim sofort ins Flughafenkrankenhaus gebracht worden. Dort habe er über Kopfschmerzen geklagt und fast das Bewusstsein verloren. Auf dem Weg in eine andere Klinik sei er dann gestorben.

Öffentliche Kritik an der Familiendynastie

Die Ermordung von Kim Jong Nam ist der ranghöchste unnatürliche Todesfall unter Kim Jong Uns Herrschaft seit der Hinrichtung seines Onkels Jang Song Thaek wegen angeblichen Verrats im Dezember 2013. Diesem Onkel soll Kim Jong Nam nahegestanden haben.

Kim Jong Nam galt als reformorientiert und kritisierte öffentlich das politische System und die Familiendynastie in seiner Heimat. Nach Angaben südkoreanischer Parlamentarier versuchte der Norden 2012 schon einmal, ihn zu töten. Daraufhin habe Kim Jong Nam seinen Halbbruder in einem Brief um Gnade für sich und seine Familie gebeten. Er habe dabei auch betont, dass er keine Gefahr für Kim Jong Un darstelle und im Norden kaum politische Unterstützung habe.

In Pjöngjang begannen unterdessen die Feierlichkeiten für den Geburtstag von Kim Jong Il am Donnerstag, ohne dass der Tod des Familienmitglieds Erwähnung fand. Rund 3.000 uniformierte Regierungsvertreter und Frauen in traditioneller Kleidung kamen zu einer Gala zusammen. Auf Schildern stand "Frieden", "Unabhängigkeit" und "Freundschaft".