Milo Yiannopoulos ist für seine provokativen Äußerungen bekannt: Feminismus bezeichnete der US-Journalist, der für das ultrarechte Portal Breitbart arbeitet, als Krebsgeschwür. Seine Kritiker werfen dem Unterstützer von US-Präsident Donald Trump Rassismus und Frauenfeindlichkeit vor. Nun kommt eine weitere Anschuldigung hinzu: Der selbst ernannte "Fundamentalist der Redefreiheit", der seine Homosexualität offensiv zur Schau stellt, soll in einem Interview Sex zwischen Männern und minderjährigen Jungen verteidigt haben.

In einem Interview mit dem Podcast Drunken Peasants hatte sich 2016 Yiannopoulos dafür ausgesprochen, dass 13-jährige Jungen mit älteren Herren sexuelle Erfahrungen sammeln sollten. In einer homosexuellen Welt könnten sie den Jungen helfen, sich selbst zu finden, sagte Yiannopoulos. Die "willkürliche und unterdrückende Idee von Einvernehmlichkeit" sei das eigentliche Problem, so Yiannopoulos. "Wir sind besessen von Missbrauch, wir sind besessen von diesem Kindesmissbrauchszeug." Über verbotene Beziehungen zwischen Lehrerinnen und Schülern sagte der 33-Jährige: "Der Junge ist das Raubtier in dieser Situation."

Dieses Interview hat Konsequenzen: Am Montag strich die Conservative Political Action Conference, ein Meinungsforum für junge amerikanische Konservative, Yiannopoulos von ihrer Rednerliste. Sein Verlag Simon & Schuster entschied sich, ein geplantes Buchprojekt mit Yiannopoulos abzusagen. Sein Buch Dangerous sollte im Juni erscheinen. Gründe für den Rückzug wurden nicht genannt. Bei Amazon hatte es bereits auf den Bestsellerlisten für vorbestellte Bücher gestanden.

Yiannopoulos erklärte in einem Facebookeintrag: "Ich möchte einmal mehr meine absolute Abscheu für Erwachsene zum Ausdruck bringen, die Minderjährige missbrauchen." Er selbst sei ein Opfer von Kindesmissbrauch und habe große Teile seiner Karriere darauf verwendet, Kinderschänder bloßzustellen. Wenn er schuldig sei, dann "sicherlich der unpräzisen Sprache". Dies bedauere er.

Yiannopoulos war bereits Anfang des Monats in die Schlagzeilen geraten. Ein geplanter Auftritt auf dem Campus der Universität Berkeley im US-Bundesstaat Kalifornien wurde abgesagt, nachdem es dort zu gewaltsamen Studentenprotesten gegen den 33-Jährigen gekommen war. Hunderte Demonstranten hatten sich auf dem Campusgelände versammelt, um den Vortrag zu verhindern. Sie warfen Scheiben ein, setzten Holzpaletten in Brand und schleuderten Steine auf Polizisten. Diese erschienen in voller Kampfmontur und setzten Tränengas gegen die Studenten ein. Nach den Protesten drohte Trump via Twitter damit, der Universität Bundesmittel zu kürzen, wenn diese die Meinungsfreiheit nicht zulasse und "Gewalt gegen unschuldige Menschen mit einem anderen Standpunkt ausübe".

"Gefährliche Schwuchtel" auf Tour

Unter dem Motto "Dangerous Faggot" – "gefährliche Schwuchtel" tourt Yiannopoulos seit 2015 durch die USA und hat Auftritte in diversen Universitäten. Yiannopoulos ist gebürtiger Engländer, in Manchester und Cambridge hat er Literatur studiert, das Studium jedoch abgebrochen. Stephen Bannon, ehemaliger Chef von Breitbart-News und heute wichtigster Berater von US-Präsident Trump, wurde über das Internet auf Yiannopoulos' provokativen Text aufmerksam. Heute ist Yiannopoulos das popkulturelle Gesicht der Ultrarechten in den USA und hetzt regelmäßig gegen Frauen, Liberale, Eliten oder die Bewegung Black Lives Matter.