Ein 26-jähriger Islamist aus dem niedersächsischen Northeim soll einen Terroranschlag auf Polizisten oder Soldaten geplant haben. Das habe er in ersten Vernehmungen eingeräumt, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Celle und die Göttinger Polizei mit. Der Mann sitze seit Mittwoch wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat in Rosdorf in Untersuchungshaft. Weiter wird ihm der unerlaubte Umgang mit explosiven Stoffen vorgeworfen.

Der junge Deutsche gehört den Angaben zufolge zur salafistischen Szene. In seiner Wohnung seien unter anderem chemische Stoffe zum Bau einer "unkonventionellen Sprengvorrichtung" auf Basis des Sprengstoffs Acetonperoxid sowie elektronische Bauteile für einen Fernzünder gefunden worden, teilten die Ermittler mit. 

Der Mann habe ausgesagt, er habe Polizisten oder Soldaten mit dem selbstgebauten Sprengsatz "in eine Falle locken wollen". Weitere Einzelheiten nannten die Behörden wegen der noch laufenden Ermittlungen nicht. Für Aussagen zu möglichen Mittätern oder Querverbindungen zu ähnlichen Fällen der jüngeren Zeit sei zu früh, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. "Wir sind gerade erst am Anfang."

700 Salafisten in Niedersachsen

Der Präsident der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig, sagte: "Die Bekämpfung der aktuellen Erscheinungsformen des Terrorismus beziehungsweise Is­lamismus hat in der Polizeidirektion Göttingen oberste Priorität". Die enge Zusammenar­beit mit der Generalstaatsanwaltschaft Celle sei wesentliche Grundlage für den Einsatzerfolg gewesen.

In Niedersachsen gibt es laut niedersächsischem Verfassungsschutz etwa 700 Salafisten, von denen 77 in Richtung Syrien und Irak ausgereist sind. Etwa 50 weitere werden in Niedersachsen als Gefährder bewertet und besonders beobachtet. Besonders in den Städten Hildesheim, Wolfsburg und Göttingen ist die salafistische Szene aktiv.

Der Bundesverfassungsschutz sprach diese Woche vor einer anhaltend hohen Gefahr durch islamistische Terroristen. Bei seiner Behörde gingen täglich zwei bis vier Hinweise auf drohende Taten ein, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Die Zahl der Gefährder und Unterstützer sei in der Bundesrepublik auf 1.600 Menschen gewachsen.

IS-Flaggen und Waffen in Göttingen

In Göttingen waren erst vor zwei Wochen zwei Männer unter Terrorverdacht festgenommen worden. Bei Durchsuchungen wurden scharf gemachte Waffen, Munition, IS-Flaggen und Datenträger beschlagnahmt. Die Polizeidirektion Göttingen geht davon aus, dass auch diese beiden Männer der radikal-islamistischen Szene angehören und einen Terroranschlag planten. Weil sie noch keine konkrete Tat beschlossen haben sollen, leitete die für Terrordelikte zuständige Generalstaatsanwaltschaft Celle kein Strafverfahren ein. Gegen die beiden erging aber eine Abschiebeanordnung des Landesinnenministeriums.

Der 27-jähriger Algerier und der 22-jährige Nigerianer wehren sich juristisch gegen ihre Abschiebung, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover. Über die beiden Fälle muss das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig befinden. Bis eine Entscheidung getroffen ist, bleiben beide in Abschiebehaft.