Trotz der Debatte über eine stärkere Überwachung des öffentlichen Raums empfindet die große Mehrheit der Deutschen keine Angst, wenn sie unterwegs sind. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der NDR-Sendung Panorama. Demnach fühlen sich 75 Prozent der Befragten auf öffentlichen Plätzen und Straßen oder in Verkehrsmitteln sicher oder sogar sehr sicher.

Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So geben 20 Prozent der Männer an, sich eher oder sogar sehr unsicher zu fühlen; bei Frauen sind es 27 Prozent. Befragt, ob sie sich im Vergleich zu vor zwei Jahren, "in denen viele Flüchtlinge zu uns gekommen sind", sicherer oder unsicherer fühlen, sagte jede dritte Frau, sie fühle sich zunehmend unsicher. 63 Prozent der Frauen erklärten, an ihrem Sicherheitsgefühl habe sich nicht viel geändert.

Allerdings haben viele Frauen nach eigenen Angaben ihr eigenes Verhalten in den vergangenen beiden Jahren verändert. So vermeiden 62 Prozent aller Frauen abends grundsätzlich bestimmte Straßen, Parks oder Plätze – ein reichliches Drittel gibt an, dies seit zwei Jahren häufiger zu tun. Öffentliche Verkehrsmittel am Abend vermeidet fast jede dritte befragte Frau. Annähernd die Hälfte von ihnen tut dies häufiger als vor zwei Jahren. Ein gesteigertes Bedrohungsgefühl zeigt sich vor allem daran, dass 13 Prozent aller befragten Frauen Reizgas bei sich tragen.

Bestimmte Gruppen als Bedrohung

Befragt, ob es bestimmte Gruppen gibt, von denen man sich besonders bedroht fühlt, ergibt sich ein geteiltes Bild: Eine leichte Mehrheit aller Befragten verneint das, aber immerhin 47 Prozent empfinden bestimmte Gruppen als Bedrohung. Für etwa jeden Dritten sind Ausländer und Flüchtlinge die Gruppe, von der die stärkste Bedrohung ausgeht.

Insgesamt hat sich die Sicherheit in Deutschland nach Einschätzung des Kriminologen Dominic Kudlacek vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen verbessert. Sie sei "nach wie vor auf sehr hohem Niveau", zitiert Panorama den Experten. Allerdings zeigten die polizeilichen Kriminalstatistiken in den vergangenen Jahren eine steigende Zahl nicht-deutscher Tatverdächtiger. Diesen Anstieg der erfassten Taten schreibt Kudlacek in erster Linie dem Zuwachs der Bevölkerung infolge der Flüchtlingswanderungen zu. Jedoch falle auf, dass bestimmte Gruppen wie Zuwanderer aus Nordafrika bei bestimmten Straftaten – zum Beispiel Diebstahl oder Sexualdelikten – überproportional auffällig sind.

"Kriminalität keine Frage des Passes"

Für Kriminologen, so Kudlacek, sei dies aber nicht überraschend. Schließlich setze sich die Gruppe der Zuwanderer demografisch anders zusammen als die deutsche Gesamtbevölkerung. Viele Zuwanderer seien "Menschen, die männlich und jung sind, selber Gewalt erlebt haben und perspektivlos sind", meint der Experte aus Niedersachsen. "Diese begehen häufiger Straftaten als Menschen, die eine Perspektive haben, die etwas älter sind und die in der Gesellschaft gut integriert sind." Kriminalität werde eben durch solche Faktoren beeinflusst und sei keine Frage des Passes.

Für die Umfrage hatte infratest dimap Ende Januar etwa 1.000 Menschen telefonisch befragt.