Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) und die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bei den Kämpfen um die irakische Stadt Mossul Giftgas eingesetzt wurde. Das Internationale Rote Kreuz berichtet von sieben Patienten, die entsprechende Symptome aufweisen. Die Vereinten Nationen berichten von zwölf Menschen, die seit Mittwoch in einem Krankenhaus in der Nähe von Mossul behandelt werden.

Die Verletzten sollen starke Symptome eines sogenannten Hautkampfstoffes aufweisen, der Blasen auf der Haut, Augenreizungen, Hustenreiz und Erbrechen verursacht. Die Patienten seien mit den chemischen Stoffen im Osten von Mossul in Berührung gekommen, heißt es. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) startete gemeinsam mit Behörden vor Ort einen Notfallplan, der die Behandlung der Betroffenen sichern soll.

Der IKRK-Regionaldirektor für den Nahen Osten, Robert Mardini, sagte, man sei zutiefst besorgt über das, was die Kollegen gesehen hätten und verurteile den Einsatz dieser Waffen, unabhängig davon, welche Seite sie eingesetzt habe.

Die UN-Koordinatorin für den Irak, Lise Grande, forderte eine Untersuchung, sollte sich der Verdacht erhärten. "Wenn der mutmaßliche Einsatz von chemischen Waffen bestätigt wird, ist das eine gravierende Verletzung des internationalen humanitären Völkerrechts und ein Kriegsverbrechen, unabhängig davon, wer die Ziele oder die Opfer der Angriffe sind", sagte Grande. Die Verletzungen nannte sie "schrecklich".

Irakische Armee stößt auf Widerstand

Die irakische Armee versucht gerade mit internationaler Hilfe, die letzte Hochburg des "Islamischen Staats" (IS) im Irak zurückzuerobern. Es wird angenommen, dass sich noch mehrere Tausend IS-Kämpfer in Mossul aufhalten; darunter viele aus westlichen Ländern. Sie wehren sich mit Heckenschützen, Selbstmordanschlägen, Sprengfallen und Granatfeuern gegen die aus rund 100.000 Kämpfern bestehende regierungstreue Truppe.

Nachdem die irakischen Streitkräfte mit US-Unterstützung im Januar nach rund dreimonatigen Kämpfen den Ostteil der Stadt eingenommen hatten, starteten sie vor zwei Wochen die Offensive auf den Westteil der Stadt. Zuletzt stürmten die Truppen den Flughafen von Mossul und rückten in erste Wohnviertel im Westen der Stadt vor. Dort leistet der IS Berichten zufolge heftigen Widerstand.  

Mossul stellt die letzte Hochburg des IS im Irak dar. Sollten die sunnitischen Islamisten die Großstadt verlieren, wären sie im Irak militärisch weitestgehend besiegt.