In der Altstadt der heftig umkämpften irakischen Metropole Mossul sitzen nach UN-Angaben rund 400.000 Menschen fest. Insgesamt hielten sich in allen von der Extremistenmiliz IS gehaltenen Zonen der irakischen Großstadt noch 600.000 Menschen auf, sagte ein Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) im Irak während eines Telefonats mit Journalisten in der Genfer Zentrale.

Für die Eingeschlossenen würden die Lebensmittel knapp, erklärte das Flüchtlingshilfswerk. Die Menschen müssten Möbel und Kleidung verbrennen, um bei heftigem Regen und in kühlen Nachtstunden zu überleben. Außerdem wachse die Panik vor Angriffen.

Aus Angst vor Heckenschützen wagten viele Zivilisten nicht zu flüchten. Kämpfer der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) drohten, jeden, der fliehe, zu erschießen. Eine Flucht sei nur aus Gegenden möglich, die nicht mehr in der Hand der Miliz seien. In den IS-Gebieten hingegen könnten sich die Menschen höchstens im Morgennebel, in der Nacht oder während des Gebets davonstehlen, sagte der UNHCR-Beauftragte für den Irak, Bruno Geddo. "Viele riskieren lieber den Tod auf der Flucht als den Tod, wenn sie bleiben."

Seit Beginn der irakischen Offensive auf den Westen der Stadt vor einem Monat hätten bereits etwa 157.000 Menschen ein Transitzentrum außerhalb der Stadt erreicht, sagte Geddo, und es werde noch mit viel mehr Flüchtlingen gerechnet. Im Auffanglager Hamam al-Alil rund 20 Kilometer südlich der Stadt kämen täglich etwa 8.000 bis 12.000 von Panik gezeichnete Menschen an. Zudem seien noch gut 110.000 Menschen aus dem bereits befreiten Ost-Mossul in den Lagern. 

Das UNHCR eröffnete drei neue Camps für etwa 100.000 Menschen. "Das Schlimmste kommt erst noch", sagte Geddo. "Die Menschen werden fliehen, wenn die Altstadt befreit wird." 72.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen bereits nach Ost-Mossul zurückgekehrt.

Die irakischen Regierungstruppen versuchen mit militärischer Unterstützung aus dem Ausland seit Wochen, nach dem Ostteil auch den Westteil Mossuls aus der Hand des IS zu erobern. Einen Großteil des Westens, in dem auch die Altstadt liegt, haben sie bereits unter Kontrolle. In Ost-Mossul hatte ihre Offensive im Oktober begonnen.