Seit März 2017 erfasst ZEIT ONLINE die Fälle inhaftierter Journalisten in der Türkei und – wenn es möglich ist – seit wann und aus welchen Gründen die beschuldigten Journalisten festgehalten werden (die Liste finden Sie am Ende des Artikels). Aktuell wissen wir von 188 Fällen. Den meisten wird die Mitgliedschaft in oder Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen.

Am 19. Juli dieses Jahres wurde der fast zwei Jahre andauernde Ausnahmezustand in der Türkei aufgehoben. Für Journalistinnen und Journalisten hat sich dadurch jedoch kaum etwas geändert, ihre Arbeit ist und bleibt gefährlich. Regelmäßig gibt es Berichte über Einschüchterungsversuche, vorübergehende Verhaftungen oder etwa Entlassungen.

Auch ausländische Staatsbürger sind vor den türkischen Behörden nicht sicher: Erst Anfang September wurde der österreichische Journalist Max Zirngast verhaftet. Er hatte unter anderem kritisch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan berichtet. Noch immer in Haft sitzt der deutschtürkische Journalist Adil Demirci. Er befindet sich seit April im türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri.

Das deutschtürkische Verhältnis bleibt durch die Verhaftungen deutscher Staatsbürger belastet. Derzeit sitzen insgesamt fünf deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen. Auch die Fälle der Journalisten Meşale Tolu und Deniz Yücel sind noch nicht beendet: Sie kamen zwar frei und konnten nach Deutschland zurückkehren, doch laufen in der Türkei noch Prozesse gegen die beiden.

Wer, wann, warum – ZEIT ONLINE dokumentiert

Die Platzierung der Türkei auf der Liste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen verschlechterte sich seit dem gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 zusehends: Das Land liegt inzwischen auf Platz 157 – bei insgesamt 180 gelisteten Staaten.

Gegen viele der inhaftierten Journalisten liegt keine konkrete Anklage vor, die Vorwürfe sind häufig vage formuliert. Bei anderen kann man nur vermuten, dass die Verhaftung mit ihrer journalistischen Arbeit zusammenhängt. Für Staatspräsident Erdoğan jedenfalls macht sich ein Journalist bereits mit Terroristen gemein, wenn er sie interviewt.