Dem saudischen Blogger Raif Badawi droht eine Verlängerung seiner Haft, wenn er eine Geldstrafe von einer Million Saudischer Riyal, umgerechnet knapp 250.000 Euro, nicht zahlen kann. "Ein Gefängnismitarbeiter sagte ihm, dass sein Arrest ausgeweitet werden könnte, sollte er den Betrag nicht aufbringen können", sagt eine Vertraute der Familie der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Badawi sitzt seit knapp fünf Jahren in Haft. Ein Gericht in Saudi-Arabien hatte ihn wegen "Beleidigung des Islams" unter anderem zu zehn Jahren Gefängnis, 1.000 Peitschenhieben und der besagten Geldstrafe verurteilt.

Als er im Januar 2015 die ersten 50 Schläge bekam, wurde die Folter heimlich gefilmt. So erfuhren Menschen überall auf der Welt von seinem Schicksal und solidarisierten sich mit Badawi. Nach internationalen Protesten wurde die Prügelstrafe ausgesetzt, offiziell aufgrund Badawis schlechter Gesundheit.

Inzwischen dürfe Badawi Bücher lesen, sagte seine Familie der ZEIT. Seine Frau Ensaf Haidar, die mit den gemeinsamen Kindern in Kanada Asyl erhalten hat, könne mit ihm telefonieren, auch wenn die Telefonate mitunter kurz seien und unterbrochen werden. "Seit der Ankündigung des Gefängnismitarbeiters, dass seine Haft womöglich verlängert wird, hat er keine Hoffnung mehr, früher entlassen zu werden", hieß es von seiner Familie.