Die Polizei in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat einen Mann festgenommen, der Bombendrohungen an jüdische Einrichtungen verschickt haben soll. Der 31-Jährige habe im Januar und Februar Drohungen gegen mindestens acht jüdische Einrichtungen verschickt, teilte New Yorks Staatsanwalt Preet Bharara mit.

Der Verdächtige habe die Drohungen offenbar im Namen seiner Ex-Frau geschickt, um diese zu belästigen, hieß es weiter. Er habe beispielsweise die Antidiffamierungsliga in einer E-Mail vor Bombendrohungen seiner Ex-Frau gewarnt. Einen Tag später erhielt die Antidiffamierungsliga eine solche Drohung.

Die Organisation mit Sitz in New York kämpft gegen die Diskriminierung von Juden in den USA. Sie dankte der Polizei und dem FBI nach der Festnahme für ihre "erstaunliche Arbeit." Ob der Mann hinter weiteren Drohungen steckt, ist unklar.

Mehr Drohungen gegen jüdische Einrichtungen seit Trumps Wahlsieg

Jüdische Gemeinden in den USA berichten von einer Zunahme der bei ihnen eingehenden Drohungen seit dem Wahlsieg von Donald Trump – am äußersten rechten Rand der Trump-Anhängerschaft gibt es Gruppierungen mit rassistischer und antisemitischer Ideologie. Am Montag gingen bei jüdischen Einrichtungen in New Jersey, North Carolina, Alabama und Pennsylvania Drohungen ein. Sicherheitshalber wurden in den USA mehrere jüdische Gemeindezentren, Kindergärten und Schulen geschlossen. In der Gegend um die Hauptstadt Washington waren mehr als 140 Schüler von den Maßnahmen betroffen.

Insgesamt wird in 122 Fällen von Bombendrohungen ermittelt. Kürzlich wurden auf einem jüdischen Friedhof in Philadelphia mehr als 400 Grabsteine umgestürzt und zertrümmert. Auch in Rochester im Staat New York wurden laut The Rochester Democrat and Chronicle mindestens zwölf umgestürzte und verunstaltete Grabsteine entdeckt. In der vergangenen Woche wurden in St. Louis mehr als 150 Grabsteine beschädigt. In Indiana ermittelt das FBI wegen eines mutmaßlichen Schusses, der am Dienstag in eine Synagoge gefeuert wurde.

Der Sprecher der US-Regierung, Sean Spicer, sagte, der Präsident sei enttäuscht und besorgt und verdamme jede Form des Antisemitismus in schärfster Form. Kritiker hatten Trump vorgeworfen, zu lange nichts zu antisemitischen Vorfällen gesagt zu haben. Die Frage eines Reporters auf einer Pressekonferenz zu den Bombendrohungen schien Trump als persönlichen Angriff zu werten und wies sie als nicht fair zurück. Er sei die "am wenigsten antisemitische Person, die Sie je in Ihrem Leben gesehen haben", erklärte Trump. Ende Januar war das Weiße Haus kritisiert worden, weil es zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust eine Mitteilung herausgegeben hatte, in der Juden keine Erwähnung fanden.