Seit dem Beginn des Bürgerkriegs 2011 sind in Syrien 814 Mitarbeiter des Gesundheitswesens Opfer von Kriegsverbrechen geworden. Das geht aus einer Studie der Fachzeitschrift The Lancet hervor. Demnach wurden die Helfer bei Gefechten, Angriffen auf Krankenhäuser und Hilfseinrichtungen sowie durch Folter und Hinrichtungen getötet. Die Kriegsverbrechen seien hauptsächlich von Regierungstruppen und ihren Verbündeten verübt worden, heißt es in der Studie. Zudem gebe es Anzeichen, dass sie systematisch erfolgten.

"Die internationale Gemeinschaft hat diese Verletzungen des internationalen humanitären Rechts und der Menschenrechte weitgehend unbeantwortet gelassen", schreiben die Autoren. In ihrem Vorwort kritisieren sie ein "schweres Versagen der weltweiten Gesundheitsgemeinschaft und der internationalen Führungen". Es werde Jahrzehnte dauern, bis das syrische Gesundheitswesen wieder funktionieren werde.

Ein großes Problem ist der Auswertung zufolge der enorme Ärztemangel im Land. In den vergangenen Jahren seien rund 15.000 Ärzte aus Syrien geflohen. Dies entspreche der Hälfte der in Syrien arbeitenden Ärzte vor dem Krieg. Dadurch fehle es an medizinischer Grundversorgung für Hunderttausende Zivilisten. Ein Drittel der Syrer lebe inzwischen in Gebieten ohne Gesundheitsmitarbeiter, ein weiteres Drittel unter unzureichender medizinischer Versorgung. Rund die Hälfte der Kliniken sei zudem beschädigt. Das Kafr-Sita-Cave-Krankenhaus in Hama etwa sei seit 2014 insgesamt 33 Mal bombardiert worden. Das unterirdische Krankenhaus M10 in Aleppo sei binnen drei Jahren 19 Mal attackiert worden, bevor es im Oktober 2016 komplett zerstört wurde.

Russlands Kriegseintritt verschlimmerte die Lage

Für das medizinische Personal in Syrien war 2016 der Studie zufolge das schlimmste Jahr im Bürgerkrieg. Mit dem Kriegseintritt Russlands hätten sich die Übergriffe um 89 Prozent erhöht, heißt es in dem Bericht.

Die Statistiken wurden von Experten an Universitäten in Großbritannien, den USA und Beirut sowie von der Syrian American Medical Society und zahlreichen regierungsunabhängigen Organisationen zusammengetragen und erstellt. In dem andauernden syrischen Bürgerkrieg wurden laut UN-Angaben insgesamt mindestens 320.000 Menschen getötet und Millionen weitere zur Flucht gezwungen.