Die britische Polizei hat die Identität des Attentäters von London bekannt gegeben: Bei dem Angreifer handle es sich um den 52-jährigen Khalid Masood. Er stamme aus Mittelengland. Er war der Polizei bereits bekannt. Nach Angaben von Premierministerin Theresa May hatte der britische Inlandsgeheimdienst MI5 vor "einigen Jahren" gegen den Mann wegen möglicher "Verbindungen zu gewaltbereiten Extremisten" ermittelt. Er sei dann aber als Randfigur eingestuft worden, aktuell habe er nicht mehr im Fokus der Geheimdienste gestanden. May sagte auch, der Mann sei in Großbritannien geboren und habe allein gehandelt.

Nach Angaben von Scotland Yard war er unter einer Anzahl von Aliasnamen bekannt. Masood sei in der Vergangenheit mit Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz in Erscheinung getreten, hieß es in einer Mitteilung. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben. "Seine erste Verurteilung war 1983 wegen Sachbeschädigung, die letzte 2013 wegen unerlaubten Besitzes eines Messers".

Bereits kurz nach der Tat verbreiteten die Ermittler, dass der Anschlag mutmaßlich einen terroristischen Hintergrund hat. Der Einzeltäter sei "vom internationalen Terrorismus inspiriert" worden, erklärte Scotland Yard. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" beanspruchte die Tat unterdessen für sich. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldet das IS-Sprachrohr Amak, das seit 2014 Meldungen über den Kampf der Dschihadisten aus Sicht des IS online verbreitet. In diesem Fall beruft sich Amak auf nicht näher genannte Sicherheitskreise. Die Echtheit der Nachricht ließ sich bislang nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet. Auf diesem Weg hatten sich die Extremisten auch zu anderen Attentaten in Europa bekannt.

Acht Festnahmen in London und Birmingham

Im Zusammenhang mit dem Anschlag nahm die Polizei nach eigenen Angaben acht Menschen fest. Wie der stellvertretenden Polizeipräsidenten von Scotland Yard, Mark Rowley, sagte, gab es in der Nacht an sechs verschiedenen Orten Razzien, darunter in der britischen Hauptstadt und in Birmingham. Auch er sprach von einem Einzeltäter, der "vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde". Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe nicht mehr.

Zuvor hatten britische Medien wie der Sender Sky News und die Nachrichtenagentur Press Association von einer nächtlichen Razzia in Birmingham berichtet. Die Agentur zitiert einen namentlich nicht genannten Zeugen, demzufolge drei Männer von bewaffneten Polizisten abgeführt worden sind. "Der Mann aus London hat hier gelebt", sagte er demnach. Nach Informationen der BBC und des Guardian wurde das Fahrzeug des Täters bei einer Autovermietung im Raum Birmingham angemietet.

Birmingham gilt als zentraler Ort der Islamistenszene in Großbritannien. Auch einer der mutmaßlichen Hintermänner der Attentate von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte dort gewohnt. Er sitzt seit seiner Festnahme in Belgien im April vergangenen Jahres in Haft.

Parallelen zu Brüssel, Nizza und Berlin

Am Mittwochnachmittag hatte ein Angreifer im Parlamentsviertel drei Menschen getötet und 40 weitere verletzt. Er hatte mit einem Auto Fußgänger auf der Westminster Bridge niedergefahren und dann einen Polizisten vor dem britischen Parlament erstochen. Er selbst wurde schließlich von Polizisten erschossen. Hunderte Ermittler seien im Einsatz, um mehr über das Motiv, die Vorbereitungen der Tat und mögliche Komplizen des Mannes herauszufinden.

Nach Angaben der britischen Regierung wurde auch ein Deutscher verletzt. Menschen aus mindestens elf Ländern sind betroffen, unter ihnen drei französische Schüler, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und jeweils ein Mensch aus Polen, Irland, China, Italien und den Vereinigten Staaten. 

Der Anschlag von London wurde auf den Tag genau ein Jahr nach den Terrorattacken von Brüssel verübt, bei denen islamistische Selbstmordattentäter 32 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt hatten. Parallelen zu den Anschlägen von Nizza und Berlin erscheinen naheliegend, bei denen die Angreifer ebenfalls Fahrzeuge als Waffe eingesetzt hatten. Für die Londoner ist es der zweite verheerende Anschlag in ihrer Stadt: Im Juli 2005 hatten vier Attentäter in der U-Bahn und in einem Bus Sprengsätze gezündet. Damals wurden 56 Menschen getötet, etwa 700 wurden verletzt. 

Wenige Stunden nach dem Angriff hatte Premierministerin May die Tat als "krank und verkommen" verurteilt. Doch die Briten ließen sich davon nicht unterkriegen und sich von den "Stimmen des Hasses und des Bösen" nicht spalten. "Jeder Versuch, die britischen Werte der Demokratie und der Freiheit zu attackieren, wird scheitern", sagte sie nach einem Treffen ihres Kabinetts und kündigte an, das Parlament werde wie üblich zusammenkommen und die Terrorwarnstufe nicht erhöht. 

In Großbritannien gilt derzeit die zweithöchste Terrorwarnstufe, die für eine "ernste" Bedrohung gilt. In den kommenden Tagen sollen zusätzliche bewaffnete Polizeikräfte in der Stadt eingesetzt werden, um für Sicherheit zu sorgen. Am Vormittag kehrten die Abgeordneten ins Parlament an der Westminster Bridge zurück, wo May ihre Ansprache hielt. "Wir haben keine Angst, und unsere Entschlossenheit wird angesichts des Terrorismus niemals wanken", sagte die Premierministerin, nachdem sie mit den Abgeordneten eine Schweigeminute abgehalten hatte. Einige Hundert Meter weiter, vor dem Gebäude von Scotland Yard, fand eine Zeremonie statt, bei der unter anderem des getöteten Polizisten gedacht wurde. Im Regierungsviertel wehten die Fahnen auf halbmast.