Die Arbeitsbedingungen für freie Medien haben sich im vergangenen Jahr weltweit verschlechtert. Das geht aus der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen hervor, die die Menschenrechtsorganisation in Berlin veröffentlicht hat. Demnach sind 2016 in zwei Drittel der 180 untersuchten Länder die Arbeitsbedingungen für Journalisten schlechter geworden.

"Besonders erschreckend ist, dass auch Demokratien immer stärker unabhängige Medien und Journalisten einschränken, anstatt die Pressefreiheit als Grundwert hochzuhalten", sagte der Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, Michael Rediske.

Reporter ohne Grenzen zufolge trugen 2016 auch in Demokratien Spitzenpolitiker ihre Geringschätzung gegenüber Journalisten offen zur Schau. Demnach griffen in zahlreichen Ländern Regierungen Journalisten an, bauten Überwachungsbefugnisse der Geheimdienste aus oder bedrohten Whistleblower. Unter der Regierung von Viktor Orbán fiel Ungarn um vier Ränge auf Platz 41 zurück, Polen rutschte unter seiner rechtskonservativen Regierung der Recht und Gerechtigkeitspartei (PiS) sieben Plätze ab und steht nun auf Platz 54.

Aber auch in den USA – um zwei Plätze auf Rang 43 verschlechtert – habe die juristische Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern ungekannte Ausmaße angenommen. Immer wieder würden Journalisten vor Gericht gestellt. US-Präsident Donald Trump bricht durch seine Verunglimpfungen kritischer Medien mit der langen Tradition der USA als Hüterin der Pressefreiheit.

Systematische Repressionen in der Türkei

In autoritären Staaten sei der Umgang mit Medien nach wie vor von Zensur und Verfolgung gekennzeichnet, so der Bericht. Zur weltweiten Verschlechterung hat laut der Organisation etwa das rücksichtslose Vorgehen der Regierungen in Ländern wie Ägypten oder Burundi beigetragen. In Kriegs- und Krisenländern wie Syrien, Libyen oder dem Jemen seien Journalisten unverändert tödlichen Gefahren von allen Seiten ausgesetzt.

Drastisch verschlechtert habe sich die Lage für Journalisten und Medien in der Türkei, besonders seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer und anschließenden Repressionen. Derzeit sind mehr als 150 türkische Journalisten inhaftiert. Seit dem Putschversuch rutschte die Türkei um vier Plätze ab und belegt jetzt Platz 155.

Das in den USA ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ), das in Vergangenheit mehrfach mit Reporter ohne Grenzen zusammengearbeitet hatte, berichtet zudem über neue Formen der Manipulation: Während beim "Arabischen Frühling" soziale Netzwerke wichtige Instrumente zur politischen Mobilisierung gewesen seien, setzten Regierungen sie heute immer mehr zur Beeinflussung ein, erklärte das CPJ. Länder wie Russland, China und Mexiko hätten demnach "ganze Armeen von Propagandakünstlern", um Onlinedebatten zu steuern.

Deutschland auf Platz 16, Nordkorea Schlusslicht

In der Rangliste muss Finnland erstmals seit sechs Jahren den ersten Platz räumen. Norwegen und Schweden nehmen nun die Spitzenplätze ein, gefolgt von Finnland, Dänemark, der Niederlande und Costa Rica. Zu den Schlusslichtern zählen Kuba, Sudan, Vietnam, China, Syrien, Turkmenistan, Eritrea und Nordkorea an letzter Stelle auf Platz 180.

Deutschland hat sich auf Platz 16 in der kleinen Gruppe jener Länder behauptet, in denen Reporter ohne Grenzen die Lage als gut einstuft. Doch auch in Deutschland geraten der NGO zufolge Medienschaffende wegen ihrer Arbeit ins Visier der Behörden oder der Geheimdienste.

Die Rangliste versucht, den Grad der Freiheit wiederzugeben, die Journalisten, Blogger und Medien in 180 Ländern haben. Ihre Grundlage ist ein Fragebogen zu unabhängiger journalistischer Arbeit, den Reporter ohne Grenzen in 20 Sprachen an Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Menschenrechtsverteidiger weltweit verschickt. Das neue Ranking bezieht sich auf das Jahr 2016.