Unbekannte haben in Ägypten einen Bus beschossen, in dem koptische Christen unterwegs waren. Mindestens 23 Menschen seien getötet und 25 weitere verletzt worden, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium mit. Die Angreifer hätten das Feuer in der Nähe der Stadt Al-Minja eröffnet, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Es habe sich laut Augenzeugenberichten um acht bis zehn Attentäter in Militäruniformen gehandelt, hieß es aus dem Ministerium. Die Christen sollen auf dem Weg zum Anba-Samuel-Kloster gewesen sein. In der Region um Al-Minja leben zahlreiche Christen.  

Die Bundesregierung hat den Angriff verurteilt. Erneut sei es in Ägypten zu einem "schrecklichen Angriff" auf Kopten gekommen, sagte der Außenamtssprecher Martin Schäfer. "Diese Art von Terrorismus gegen Menschen anderen Glaubens ist furchtbar." Deutschland wolle seinen Beitrag dazu leisten, "dass so etwas in der Zukunft nicht mehr geschehen kann". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, er sei erschüttert, dass zum wiederholten Male koptische Christen in Ägypten Opfer eines Anschlags wurden.

Reaktionen kamen auch aus den Vereinigten Staaten. US-Präsident Donald Trump sagte: "Das Blutvergießen der Christen muss ein Ende haben und alle, die ihren Mördern helfen, müssen bestraft werden." Der Angriff stärke die Entschlossenheit der USA, gemeinsam mit anderen Staaten der Terrorismus zu bekämpfen.

Auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin war der Anschlag auch Thema. Während einer gemeinsamen Podiumsveranstaltung zeigten sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad al-Tayyeb, erschüttert. "Kein Ägypter sympathisiert mit solchen Taten, kein Christ, kein Muslim", sagte der Scheich. Es gehe den Terroristen darum, die Stabilität im Land zu erschüttern. De Maizière sagte, Terrorismus im Namen der Religion sei Missbrauch der Religion.

Auch Vertreter der katholischen Kirche waren bestürzt. Papst Franziskus sagte, er sei tief betrübt über die barbarische Gewalt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte: "Diese nicht enden wollende Gewalt gegen die christliche Minderheit macht fassungslos." Sie müsse mit allen legitimen Mitteln gestoppt werden.

IS kündigte Anschläge an

Ägyptens Christen waren bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Anfang April wurden bei einem Doppelanschlag am Palmsonntag auf Kirchen in Alexandria und in Tanta mehr als 45 Menschen getötet. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Taten für sich. 

Anfang Mai drohten die Extremisten mit neuen Angriffen. Muslime sollten Ansammlungen von Christen und Ausländern aus dem Westen meiden, warnte ein namentlich nicht genannter Anführer der Gruppe in einem Interview der IS-Publikation Al-Naba. Er forderte Muslime auch dazu auf, Einrichtungen der ägyptischen Armee, Polizei und Regierung fernzubleiben.

Rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter sind Christen. Papst Franziskus hatte Ende April bei einem Besuch in Kairo an die Behörden appelliert, gegen religiösen Extremismus und Terror gegen Christen zu kämpfen. Die Probleme müssten sofort angegangen werden, "um ein noch schlimmeres Abdriften in die Gewalt zu vermeiden", sagte der Papst während eines Treffens mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sissi.