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Was ist passiert?

Kurz nach Ende eines Konzerts der US-Sängerin Ariana Grande in Manchester hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Dadurch starben neben dem Täter 22 weitere Menschen, 59 erlitten Verletzungen, darunter viele Kinder und Jugendliche. Die Popsängerin hatte am späten Montagabend gerade den letzten Song der Show gesungen, als gegen 22.30 Uhr Ortszeit der Sprengsatz explodierte.

Nach Angaben der Polizei zündete der Täter die Bombe im Foyer der Konzerthalle, das zeigen auch Bilder des Raumes. Der Betreiber behauptete dagegen, der Vorfall habe sich außerhalb des Gebäudes auf öffentlichem Grund zugetragen. Anwohner sagten, die Detonation habe das gesamte Viertel erschüttert.

Was ist über den Täter bekannt?

Am Tag nach dem Anschlag gab die Polizei bekannt, dass als Selbstmordattentäter der 22-jährige Salman Abedi ermittelt wurde. Die britische Innenministerin Amber Rudd sagte, Abedi sei der Polizei bekannt gewesen.

Abedi wurde in Manchester geboren und wohnte einem Wählerverzeichnis zufolge zusammen mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern zuletzt in der Elsmore Road im Stadtteil Fallowfield. Neben zwei Brüdern hatte er eine Schwester. Nachbarn zufolge war die Familie strenggläubig und in der Moschee engagiert.

Die Familie stammt nach Angaben von Ermittlern aus Libyen, von wo seine Eltern vor dem früheren Machthaber Muammar al-Gaddafi nach Großbritannien flohen. Vor der Tat war er nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb in Libyen und "wahrscheinlich" auch in Syrien gewesen, wo er sich radikalisierte. Collomb hält für erwiesen, dass Abedi Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte.  

Diese Verbindung bestätigte einer von Abedis Brüdern. Libysche Spezialkräfte hatten den 18-jährigen Hachem Abedi in Tripolis festgenommen. Nach Polizeiangaben sagte er aus, dass sein Bruder Salman – der Attentäter – IS-Mitglied gewesen sei. Der Vater der Brüder dementierte hingegen, dass Salman dem IS angehört habe. "Er glaubt nicht an so was", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in Tripolis. Während des Interviews wurde der Mann von einer Antiterroreinheit in Gewahrsam genommen.

Handelte der Täter allein?

Die britische Polizei geht inzwischen von einer Unterstützergruppe rund um den Attentäter aus. "Ich glaube, es ist ganz klar, dass es sich um ein Netzwerk handelt, dem wir nachgehen", sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins. Zuvor hatten bereits die britische Premierministerin Theresa May und die Innenministerin Amber Rudd ähnliche Andeutungen gemacht.

Der in Libyen festgenommene Bruder Abedis sagte den Ermittlern zufolge, er sei in die Anschlagspläne eingeweiht gewesen. Während der Vorbereitungen zu dem Attentat habe er sich in Großbritannien aufgehalten. Mitte April sei er ausgereist, danach aber mit seinem Bruder in ständigem Kontakt geblieben.

Insgesamt wurden inzwischen neun Verdächtige festgenommen. Medienberichten zufolge ist einer der Festgenommenen der andere Bruder von Abedi. Er soll in Libyen einen Anschlag geplant haben. Großbritannien rief erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe aus – ein Signal dafür, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte.

Gibt es ein Bekenntnis zu der Tat?

Der IS hat den Anschlag für sich reklamiert. Auf dem Portal Amaq, das der IS üblicherweise für seine Propaganda nutzt, wurde ein Schreiben veröffentlicht, in dem es heißt, dass es einem IS-Kämpfer gelungen sei, in der britischen Stadt Manchester eine Bombe inmitten einer Ansammlung von "Kreuzrittern" zu platzieren.

Laut ZEIT-Korrespondent Yassin Musharbash besteht "wenig Grund, daran zu zweifeln, dass der Absender der Bekennerbotschaft tatsächlich der IS ist". Ob der Inhalt des Bekenntnisses den Tatsachen entspricht, also der Täter tatsächlich im Namen und Auftrag des IS handelte, lässt sich bislang nicht sagen.

Ein Detail wirft Fragen auf: In dem Bekennerschreiben ist von "Sprengsätzen" die Rede. Bislang sprach die Polizei nur von einem einzigen Sprengsatz. Diese Diskrepanz kann zweierlei bedeuten: Entweder der IS weiß tatsächlich mehr als die Öffentlichkeit. Oder aber der IS war nicht oder nicht bis zum Letzten in die Planungen eingeweiht.

Explosion in Manchester

Die Explosion ereignete sich im Foyer der Manchester Arena am Montag gegen 22:30 Uhr Ortszeit.

Wie reagieren Politik und Sicherheitsbehörden?

Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab. Der Zugverkehr wurde nach dem Anschlag gestoppt, die nahe gelegene Victoria Station geschlossen. Die Polizei postierte Bewaffnete gut sichtbar an wichtigen Orten, nicht nur in Manchester, sondern auch in der Hauptstadt London. Die Regierung erhöhte die Terrorwarnstufe auf den höchsten Wert "kritisch". Das britische Sicherheitskabinett tagte mehrmals.

Weltweit bekundeten Politiker Anteilnahme. Auch die britische Regierungschefin May äußerte sich schockiert und sprach den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme aus. Alle Parteien unterbrachen ihren Wahlkampf für die geplante Parlamentswahl in zwei Wochen auf unbestimmte Zeit.

Die Popsängerin Grande brach einem CNN-Bericht zufolge ihre Tour ab. Die in Manchester gegründete Band Take That verschob die in der Arena geplanten Konzerte "aus Respekt vor den Betroffenen" des Anschlags.

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