Durch zwei Luftangriffe der US-geführten internationalen Koalition im Osten Syriens sind laut syrischen Staatsmedien und Aktivisten mindestens 35 Zivilisten getötet worden. Bei den Opfern handele es sich um Familien von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mit.

Mehrere Raketen hätten Häuser in dem von Extremisten kontrollierten Ort Al-Majadin getroffen, meldeten die Aktivisten. Durch einen Angriff auf ein Verwaltungsgebäude sollen zehn IS-Kämpfer getötet worden sein.

Unter den Toten sollen zahlreiche Frauen und Kinder sein. Die Beobachtungsstelle geht sogar von 106 getöteten Zivilisten insgesamt aus, darunter 42 Kinder. Die meisten Todesopfer seien Syrer und Marokkaner. Den Menschenrechtlern zufolge waren sie aus der nordsyrischen Stadt Al-Rakka, die von IS-Kämpfern gehalten wird, nach Al-Majadin geflohen.

Die internationale Koalition fliegt seit September 2014 Angriffe gegen den IS in Syrien. Sie unterstützt derzeit die Offensive einer von Kurden angeführten Allianz auf Al-Rakka. Die Angreifer sind bis auf wenige Kilometer an die Stadt herangerückt. 

Zahl der getöteten Zivilisten stark gestiegen

Aktivisten hatten in dieser Woche von einer hohen Zahl getöteter Zivilisten bei Luftangriffen der Anti-IS-Allianz in Syrien und im Irak berichtet. UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein prangerte an, dass Zivilisten zunehmend den Preis eskalierender Luftangriffe gegen den IS zahlen müssten. "Leider wird dem entsetzlichen Dilemma der in diesen Gebieten eingeschlossenen Zivilisten von der Außenwelt kaum Beachtung geschenkt", sagte Al-Hussein. Er forderte die Koalition auf, genauer zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden. 

Nach Angaben der Journalisteninitiative Airwars erreicht die Zahl der Todesopfer im März und April dieses Jahres den höchsten Stand seit Beginn der Luftangriffe im August 2014. Airwars-Direktor Chris Woods sagte, die Daten seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump zeigten einen "klaren Trend". Vor allem in Syrien scheine der Schutz von Zivilisten reduziert worden zu sein. Das US-Militär hat dagegen immer wieder erklärt, die Einsatzregeln unter Trump nicht geändert zu haben.

Am Donnerstag räumte das Pentagon ein, dass bei einem Angriff der Anti-IS-Koalition am 17. März auf ein Gebäude im nordirakischen Mossul mehr als 100 Zivilisten ums Leben gekommen seien. IS-Terroristen hätten in dem Gebäude Sprengstoff platziert. Weder die Kräfte der Koalition noch lokale Sicherheitskräfte im Irak hätten davon Kenntnis gehabt, dass sich in dem Gebäude Zivilisten versteckt hielten. Der Angriff sei mit Präzisionswaffen erfolgt.