Mit einem Festgottesdienst vor 120.000 Menschen an den Elbwiesen der Lutherstadt Wittenberg ist der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag zu Ende gegangen. An der Abschlusszeremonie nahmen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der südafrikanische Bischof Thabo Makgoba teil. Der Kirchentag und auch der Gottesdienst standen im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums.

Bischof Makgoba appellierte im Gottesdienst bei strahlendem Sonnenschein an die Jugend, sich zu engagieren. Sie sollten die "Schreie der anderen Menschen und des Planeten" hören, mahnte er. In Erinnerung an Martin Luther King sagte der Bischof, er habe auch "einen Traum für die Welt". Er träume, dass eines Tages die derzeitigen Parolen von Nationalismus und Abschottung verschwänden. Er träume davon, dass die Menschen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Wasser und wirtschaftlichen Chancen hätten.

Bundespräsident Steinmeier sagte in einem Grußwort nach dem Gottesdienst, in Wittenberg habe vor einem halben Jahrtausend "eine der größten weltgeschichtlichen Veränderungen begonnen". Das wirke bis heute. Steinmeier zeigte sich von der Bedeutung des Kirchentags überzeugt. Dieser sei kostbar und etwas ganz Besonderes, dort treffe sich eine "Gemeinschaft der Hoffenden und Fragenden, der Glaubenden und Zweifelnden, der Engagierten und Feiernden, der Betenden und Singenden".

Steinmeier lobte das soziale, aber auch das geistliche Engagement der Kirchen. "Ohne das alles würde unserer Gesellschaft viel Wärme und Menschlichkeit fehlen." Die Kirchen leisteten einen "Dienst an der Gesellschaft". Steinmeier ermunterte die evangelische und katholische Kirche, in der Ökumene mutig aufeinander zuzugehen.

Die evangelische Kirche wolle sich immer wieder lautstark in gesellschaftliche Debatten einbringen und das Gespräch auch mit denen suchen, die Dialog ablehnten, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zum Abschluss des Kirchentages. "Aktiv werden und sich einmischen, wo die Würde des Menschen bedroht ist und wo die Natur, die uns als Schöpfung Gottes anvertraut ist, zerstört wird – das ist die Berufung, aus der wir Christinnen und Christen leben." 

Kirchentag erstmals an zwei Orten

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au betonte, die Kirche werde in ihrem Engagement für Flüchtlinge nicht nachlassen. Sie kritisierte das Vorgehen vieler Politiker, die sagten: "Wir können nicht allen helfen." Aus der Au hielt dagegen: "Diesem Zynismus werden wir nicht folgen." Die AfD und einige CDU-Politiker hatten der Kirche zuletzt vorgeworfen, sich zu sehr in die Politik einzumischen, statt sich um Glaube und Seelsorge zu kümmern.

Seit Mittwoch haben Zehntausende Gläubige und Sympathisanten den Kirchentag mit mehr als 2.000 Veranstaltungen gefeiert. Zu den Höhepunkten zählte der Auftritt des früheren US-Präsidenten Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Wegen des Reformationsjubiläums fand der Kirchentag in diesem Jahr erstmals an zwei Orten gleichzeitig statt – in Berlin und in Wittenberg. Der Reformator Martin Luther soll im Jahr 1517 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche Wittenberg angeschlagen haben, deren Inhalt die katholische Kirche erschütterte. Der Thesenanschlag gilt als symbolischer Ausgangspunkt der Reformation. In der Schlosskirche liegt Luther auch begraben.