Altkanzler Helmut Kohl wird in Speyer beigesetzt. Das Bistum bestätigte entsprechende Berichte. Diese letzte Ruhestätte hatte sich Kohl laut Bild selbst gewünscht, dies sei 2015 verabredet worden. Kohl wird damit nicht an der Seite seiner ersten Ehefrau Hannelore in Ludwigshafen beigesetzt. Als Termin sei der 1. Juli geplant, bestätigt ist er noch nicht, da die Abstimmung der vielen geplanten Teilnehmer noch läuft.

Vor der Beisetzung soll ein europäischer Staatsakt im Europäischen Parlament stattfinden, der erste dieser Art überhaupt. Im Anschluss ist eine Totenmesse im Dom zu Speyer geplant. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wollen bei dem Staatsakt neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch alte Weggefährten sprechen. Dem Bericht zufolge sind auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González als Redner vorgesehen. Beide waren Kohl über viele Jahre hinweg politisch verbunden.

Die Speyerer Grabstätte befindet sich am Rande des Domherrenfriedhofs neben der Friedenskirche Sankt Bernhard. Der Ort ist geschichtsträchtig und verbindet gleich mehrere Anliegen, die dem langjährigen CDU-Vorsitzenden wichtig waren: Zum einen symbolisiert die Kirche die deutsch-französische Aussöhnung, zum anderen repräsentiert die Grablege auch räumlich Kohls Nähe zur katholischen Kirche.

Im Schatten der Kirche finden seit Jahren Mitglieder des Domkapitels ihre letzte Ruhestätte. Das kleine Areal geht in den Adenauerpark über, eine von zwei innerstädtischen Verkehrsachsen begrenzte, rund eineinhalb Hektar große Grünanlage. 

Seine Herkunft aus einer katholisch geprägten Familie verleugnete Kohl nie. Er hielt Kontakt zu Bischöfen und Kardinälen. Das gegenseitige Interesse war so stark, dass Joseph Ratzinger, nachdem er Papst war und Deutschland besuchte, Kohl in Freiburg in Privataudienz traf. Trotz aller persönlichen Überzeugungen war Kohls Verhältnis zu den Kirchen nicht nur selbstlos. Er wusste, welche Klientel ihn ins Kanzleramt gewählt hatte.

Am Mittwoch soll es im Landtag von Rheinland-Pfalz eine parlamentarische Gedenkstunde für Kohl geben. Dabei sollen unter anderem Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner sprechen. Kohl war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und blieb seinem Heimatland bis zu seinem Tod eng verbunden.