Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an dem russischen Oppositionellen Boris Nemzow hat ein Moskauer Gericht fünf Angeklagte schuldig gesprochen. Nemzow war am 27. Februar 2015 nachts auf einer Brücke in der Nähe des Kremls in Moskau erschossen worden. Die fünf aus Tschetschenien stammenden Angeklagten hätten die Tat ausgeführt, urteilten die zwölf Geschworenen eines Militärgerichts nach Angaben der Agentur Tass. Über ein Strafmaß ist noch nicht entschieden. 

Die Ermordung des 55-jährigen Regierungsgegners hatte vor zwei Jahren weltweit Bestürzung ausgelöst. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin und ein scharfer Kritiker von dessen Ukraine-Politik.

Oppositionelle Aktivisten werfen der russischen Regierung vor, die Hintermänner der Tat nicht ermittelt zu haben. Sie vermuten, dass der eigentliche Auftraggeber der Tat der autoritäre tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow oder jemand aus seinem Umfeld war. Kadyrow wird von der russischen Regierung unterstützt. Anfang Dezember hatte die russische Justiz die Forderung zurückgewiesen, Kadyrow als Zeugen vorzuladen.

Den fünf Männern wurde vor Gericht vorgeworfen, einen Auftragsmord durchgeführt zu haben. Sie sollen dafür 15 Millionen Rubel (230.000 Euro nach derzeitigem Kurs) erhalten haben. Die Männer hatten nach ihrer Festnahme Geständnisse abgelegt, diese im Prozess aber widerrufen und sich für unschuldig erklärt. Bei den Verurteilten handelt es sich um den Schützen, einen Ex-Polizisten sowie den Fahrer des Fluchtwagens und drei weitere Komplizen. Der Schütze war früher Offizier der Sicherheitskräfte unter Kadyrow. Weil er in einem Bataillon des tschetschenischen Innenministeriums gedient hatte, wurde der Fall vor einem Militärgericht verhandelt.

Die Suche nach den Hintermännern könnte nach Einschätzung der russischen Regierung noch Jahre dauern. Sprecher Dmitri Peskow sagte diese Woche, der "Fall gehört zu den schwierigsten, doch das heißt nicht, dass die Fahndung nach den Verbrechern aufgegeben wird". Der Ermittlungsprozess dauere manchmal Jahre.

"Nichts anderes erwartet"

Nemzows Tochter Schanna Nemozwa warf den Behörden nach dem Urteil vor, die Ermittlungen weiter zu verschleppen. Auf Facebook schrieb sie, die Geschworenen hätten "fünf Mitwirkende im Mord an meinem Vater schuldig gesprochen", doch bleibe der Fall ungelöst. "Ich habe nichts anderes von den Ermittlern und Gesetzeshütern in Russland erwartet."

Weiter schrieb Nemzowa: "Die Ermittler und das Gericht haben ausdrücklich nicht versucht, die Wahrheit über das begangene Verbrechen herauszufinden." Unter anderem sei ihr Antrag abgelehnt worden, Kadyrow und andere Funktionäre vorzuladen. Sie sehe daher keinen Willen der Behörden, die Auftraggeber zu suchen.