Am Rande des G8-Gipfels in Genua 2001 war es zu schweren Ausschreitungen und Straßenschlachten zwischen Polizei und Globalisierungsgegnern gekommen. Nun musste der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zum wiederholten Male über die damalige Polizeigewalt urteilen: Die Straßburger Richter werteten das Vorgehen gegen Demonstranten als Folter und bestätigten damit einen Richterspruch von 2015 in einem ähnlichen Fall.

Im aktuellen Urteil heißt es, Beamte hätten systematisch mit Knüppeln auf G8-Gegner eingeschlagen, sie getreten und manche sogar mit Möbeln beworfen. Einige Demonstranten hätten dauerhafte Verletzungen davongetragen. Das Vorgehen sei wahllos und unverhältnismäßig gewesen, da die Polizei nicht mit einer unmittelbaren Gefahr konfrontiert gewesen sei. 

Von Folter sprachen die Richter wegen der schweren physischen und psychologischen Leiden, die die Gewalt der Polizisten bei den Opfern verursacht hätte.

500 Menschen waren bei den Protesten verletzt worden, ein Demonstrant starb. Er war von einem Polizisten durch einen Schuss in den Kopf getötet worden. Der Beamte berief sich auf Notwehr und wurde freigesprochen. 

Geklagt hatten 42 Demonstranten, darunter auch Deutsche. Der Gerichtshof sprach ihnen zwischen 45.000 und 55.000 Euro Entschädigung zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.