Nach dem verheerenden Hochhausbrand in London streiten Politiker über Ursachen und nötige Konsequenzen. Der britische Schatzkanzler Philip Hammond sagte der BBC, dass die brennbare Gebäudeverkleidung des Grenfell Towers in Großbritannien verboten sei. Die strafrechtliche Untersuchung solle nun prüfen, ob bei der Renovierung des Hochhauses gegen Gesetze verstoßen worden ist.

Der Grenfell Tower war im vergangenen Jahr renoviert worden. Nach Ansicht von Sicherheitsexperten war die Fassadendämmung dafür verantwortlich, dass sich das Feuer schnell bis in die obersten Stockwerke ausbreiten konnte. In Deutschland sind brennbare Gebäudeverkleidungen bei Hochhäusern verboten.

Kritik an der Regierung wies Hammond zurück: "So weit ich das beurteilen kann, haben wir darauf korrekt reagiert." Die Opposition wirft der Regierung vor, Ratschläge nach einem Brand im Jahr 2013 ignoriert zu haben. Außerdem habe Premierministerin Theresa May zu spät und kühl auf das Unglück reagiert.

May hatte den Grenfell Tower am Tag nach dem Brand besucht, dabei aber nicht mit Opfern gesprochen. Am Samstag traf sie dann mehrere Überlebende. Das Gespräch in Mays Residenz in der Downing Street dauerte mehr als zwei Stunden. Die Premierministerin kündigte an, die Mieter mit einem Hilfspaket in Höhe von umgerechnet 5,7 Millionen Euro zu unterstützen.

18 Verletzte liegen noch im Krankenhaus

Londons Bürgermeister Sadiq Khan brachte den Abriss von veralteten Hochhäusern ins Gespräch. In einem Gastbeitrag für die Sonntagszeitung The Observer schrieb er, dass Sicherheitsgründe diese Maßnahme bei Gebäuden aus den sechzigern und siebzigern erfordern könnten. In der Wiederaufbauphase nach dem Krieg seien viele Hochhäuser entstanden, die heutigen Standards nicht mehr entsprächen.

Der Labour-Abgeordnete David Lammy forderte, die Regierung und die Polizei müssten umgehend alle Unterlagen zu dem Gebäude beschlagnahmen. Das betreffe alle schriftlichen Unterlagen, aber auch E-Mails, die Korrespondenz mit den Bauunternehmen, Sicherheitsprüfungen und technische Vorgaben. Nur mit ihnen könne sichergestellt werden, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

In der Nacht zum Mittwoch war der Grenfell Tower im Londoner Stadtteil Kensington in Flammen aufgegangen. Die Brandursache ist noch ungeklärt. Berichten zufolge soll es keine angemessenen Fluchtwege gegeben haben. Die Polizei geht derzeit von mindestens 58 Toten aus, befürchtet aber, dass diese Zahl noch steigen könnte. Immer noch werden 18 Verletzte im Krankenhaus behandelt.