Durch den Großbrand in dem Londoner Hochhaus Grenfell Tower kamen nach Angaben der Polizei inzwischen 17 Menschen ums Leben. Demnach ist mit weiteren Opfern zu rechnen, hieß es – vor allem mit Verweis auf die noch unbekannte Zahl von Menschen, die noch vermisst werden. Bisher waren 12 Tote bestätigt worden, mindestens 78 Verletzte wurden in Kliniken behandelt, 18 von ihnen sind in einem kritischen Zustand.

In dem 24-stöckigen Grenfell Tower war in der Nacht zum Mittwoch aus noch unbekannter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Bei dem Hochhaus handelt es sich um einen Sozialbau mit 120 Wohnungen, in denen Schätzungen zufolge zwischen 400 und 600 Menschen gelebt haben. Auch mehr als 24 Stunden nach dem Ausbruch des Feuers kam weiter Rauch aus dem Haus. Entgegen ersten Befürchtungen gilt das Gebäude im Stadtteil Kensington derzeit nicht mehr als einsturzgefährdet.

Nach Angaben der Londoner Feuerwehrchefin Dany Cotton ist das Hochhaus grundsätzlich sicher. Dennoch sei die Suche nach Vermissten teilweise eingestellt worden. Vor allem die Ränder der oberen Stockwerke seien gefährlich. "Wir schicken keine Feuerwehrleute da rein", sagte sie und kündigte an, dass die Bergungsmannschaften künftig von einem Spezialteam und von Hunden unterstützt werden sollen. Bis das Gebäude vollständig durchsucht sei, werde es aber noch "Wochen dauern". Anhand von Fingerabdrücken soll festgestellt werden, wer sich alles in dem Haus befunden hat.

"Wir werden alle Antworten bekommen"

Die Ursache des Brands ist noch nicht geklärt. Sowohl Premierministerin Theresa May als auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan versprachen eine umfassende Aufklärung der Brandursache. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben, und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden", hieß es in einem Statement von Khan. May war an diesem Vormittag an die Unglücksstelle gereist. Auf Fotos war sie zusammen mit Feuerwehrleuten zu sehen. Bereits am Mittwoch hatte sie den Opfern ihre Anteilnahme ausgedrückt und eine "sorgfältige Untersuchung" angekündigt.

Nach Ansicht des britischen Brandschutzexperten Jon Hall ähnelt der Brand solchen Katastrophen, wie sie auch in Entwicklungsländern vorkommen. "Alle Bestandteile der Feuersicherheit und des Gebäudemanagements" müssten versagt haben, schrieb er auf Twitter. Matt Wrack, der Chef der Feuerwehrgewerkschaft, sagte, nach dem Brand hätten die Bewohner des Gebäudes das Recht, kritische Fragen zu stellen – etwa, ob die Fassadenverkleidung die Feuersicherheit beeinträchtigt habe.

"Alle Vorschriften eingehalten"

Das Gebäude wurde 1974 erbaut und von 2014 bis 2016 saniert. Bewohner hatten seit Jahren auf Missstände in dem Gebäude hingewiesen, zuletzt gab es Beschwerden über unzureichenden Brandschutz. Augenzeugen zufolge brannte das Hochhaus, dessen Fassade im Zuge einer größeren Renovierung bis ins vergangene Jahr neu verkleidet wurde, zuerst von außen. Das verbaute Dämmmaterial habe wohl zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen, sagten Experten.

Die Betreibergesellschaft KCTMO erklärte, über die langjährigen Klagen der Bewohner über Missstände "auf dem Laufenden" gewesen zu sein. Es sei aber noch zu früh, über die Ursachen des Brandes zu spekulieren. Die für die Renovierung zuständige Firma Rydon erklärte, bei der knapp zehn Millionen Euro teuren Maßnahme seien alle Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften eingehalten worden.