Bei einer Totenmesse von Bundestagsabgeordneten für den Altkanzler Helmut Kohl in Berlin hat der Geistliche der zerstrittenen Familie Kohl ein Ende ihres Streits gewünscht. "Wir wünschen allen, dass sie untereinander Versöhnung und Frieden erfahren", sagte Prälat Karl Jüsten in seiner Predigt. Die Verwandten hätten ein unterschiedliches Bild von Kohl; Außenstehende sollten sich aber bei einer Bewertung der Umstände zurückhalten.

Jüsten würdigte eine "weitherzige Katholizität" des verstorbenen Altkanzlers: "Helmut Kohl war ein gläubiger Mann, er bezeichnete sich selbst als christ-katholisch." Die Liebe zu seiner evangelischen Frau Hannelore habe ihn angetrieben, "ein gutes Miteinander der Kirchen und der Christen einzufordern". Der Verbindungsmann der katholischen Bischöfe zur Bundespolitik hob auch die Unabhängigkeit des früheren Bundeskanzlers gegenüber den Kirchen hervor: "Wenn ihm etwas nicht passte, dann sagte er das dem Ratsvorsitzenden der EKD genauso wie dem Papst."

Die Unionsfraktion im Bundestag hatte zu der Totenmesse in der St.-Hedwigs-Kathedrale eingeladen. Neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und zahlreichen Kabinettsmitgliedern nahm auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) teil. Die Messe war nach Angaben der Fraktion mit Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, abgestimmt.

Kohl, der 16 Jahre Kanzler und 25 Jahre CDU-Vorsitzender war, war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben. Zur Würdigung seiner politischen Verdienste ist am 1. Juli ein europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant. Beigesetzt werden soll Kohl in Speyer. Die Vorbereitungen der Trauerzeremonien werden überschattet von Streitigkeiten zwischen Maike Kohl-Richter und Kohls Sohn Walter. Ihr Verhältnis gilt seit Langem als gestört. Nach dem Tod seines Vaters wurde Walter Kohl der Zutritt zu dessen Haus in Oggersheim verweigert.