Live Blog
5. Juni 2017 Liveblog abgeschlossen
© Jack Taylor/Getty Images

London: Londons Polizeichefin nennt Terror "neue Realität"

Der "Islamischer Staat" hat den Anschlag für sich reklamiert. Die Polizeichefin lobte die Ermittler, mehrere Personen wurden festgenommen. Das Liveblog zum Nachlesen

Knapp zwei Wochen nach dem Anschlag in Manchester, als sich ein Selbstmordattentäter in einer Konzerthalle in die Luft sprengte, ist Großbritannien erneut Ziel eines Terrorangriffs geworden: Drei Angreifer fuhren am Samstagabend mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf der London Bridge im Zentrum der britischen Hauptstadt. Die Attentäter stoppten am Borough Market und attackierten dort Passanten mit Messern. Binnen weniger Minuten waren Polizisten vor Ort und erschossen die drei Angreifer. Sieben Menschen wurden getötet und mindestens 48 verletzt, 21 von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat den Anschlag für sich reklamiert.

Bei mehreren Razzien in den Stadtteilen Newham, Barking und Dagenham wurden nach dem Anschlag Verdächtige festgenommen. Bereits am Sonntag hatte die Polizei in Barking, im Osten der Stadt, zwölf Personen festgenommen, eine davon wurde inzwischen wieder freigelassen. Zur Identität der Attentäter wollte die Polizei bislang keine Angaben machen.

Premierministerin Theresa May sagte, das Land sei kurz nach dem Anschlag in Manchester erneut Opfer eines schrecklichen Terroranschlags geworden. Es sei an der Zeit zu sagen: "Genug ist genug." May kündigte einen Vier-Punkte-Plan an, mit dem man auf den Terror im Land reagieren wolle. Teil davon sei, die Antiterrorstrategie des Landes neu zu evaluieren.

Die Parlamentswahl am 8. Juni soll wie geplant stattfinden. Die Parteien nahmen ihren Wahlkampf am Montag wieder auf.

Die Terrorwarnstufe im Land bleibt laut Innenministerin Rudd vorerst auf der zweithöchsten Stufe, ernst. Das bedeutet, dass die Behörden davon ausgehen, dass weitere Anschläge wahrscheinlich sind, aber nicht unmittelbar bevorstehen. Der stellvertretende Londoner Polizeichef Mark Rowley kündigte an, dass die Bürger in Großbritannien mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen rechnen müssten. 

Hiermit schließen wir unsere Liveberichterstattung. Unsere Autorin Imke Henkel in London beschreibt den kurzen Moment des Innehaltens im Wahlkampf nach dem Anschlag.

Angriffe in London am 3. Juni 2017

  • 12:18 Uhr
    Ferdinand Otto

    Um den Anschlagsort bleiben in London noch einige Straßen sowie der Borough Market geschlossen. Die nahe gelegene U-Bahn-Station London Bridge, eine der geschäftigsten der Stadt, hat hingegen schon wieder geöffnet.

  • 09:32 Uhr
    Ferdinand Otto

    Die Londoner Polizeichefin Cressida Dick hat in der BBC Terror als "neue Realität" bezeichnet. "Das waren wirklich ein paar grauenhafte Wochen", sagte Dick mit Blick auf die Attacken in Manchester und London. "Wir werden uns ändern und an das gewöhnen, was anscheinend für uns zu einer neuen Realität geworden ist."

    Gleichzeitig lobte sie die Behörden. Seit 2013 habe man 18 geplante Anschläge vereitelt. Im Schnitt werde täglich ein Mensch im Kampf gegen den Terror verhaftet.

    Zur Identität der Angreifer wollte Dick keine Angaben machen.

  • 09:14 Uhr
    Ferdinand Otto

    Nach dem Anschlag dreht sich die öffentliche Debatte in Großbritannien gerade um die Frage: Haben wir zu wenig Polizisten?

    Ein früherer hoher Beamter der Londoner Polizei warf Premierministerin Theresa May in einem TV-Interview vor, an der Sicherheit zu sparen. Auch Labour-Chef Jeremy Corbyn kritisierte, die Öffentlichkeit werde nur nach Haushaltslage geschützt. Der Hintergrund: Nach der Finanzkrise 2010 hat das Land Stellen bei der Polizei gestrichen. Verantwortliche Innenministerin damals: Theresa May.

    Mays Kulturministerin, Karen Bradley, versuchte, ihre Chefin zu verteidigen. In einem Interview weigerte sie sich allerdings, die Frage zu beantworten, ob heute mehr Polizisten auf den Straßen seien als vor Mays Sparkurs. Man habe 2010 schwere Entscheidungen treffen müssen.

  • 08:26 Uhr
    Ferdinand Otto

    Die Londoner Polizei glaubt inzwischen, die Identitäten der Attentäter zu kennen. Allerdings, so sagen die Beamten, wollen sie die Namen noch nicht veröffentlichen, sondern erst, sobald die Ermittlungen dies zuließen.

  • 07:15 Uhr
    Christina Felschen

    In einem aktuellen Times-Artikel fordert Sajid Javid, britischer Staatssekretär für Gemeinden und Lokalverwaltungen, Muslime in Großbritannien auf, mehr gegen Extremismus zu unternehmen.
    "Wir als Muslime müssen uns dringenden Fragen stellen", schreibt er. "Wir kommen nicht umhin festzustellen, dass diese Menschen sich für Muslime halten. Ignoranterweise, beleidigenderweise führen sie ihre Attacken im Namen des Islams aus. Obwohl wir alle im Kampf gegen den Terror gefragt sind, haben wir Muslime eine besondere Aufgabe.
    Zum einen müssen wir eine andere Version der Geschichte anbieten, um die Terroristen zu widerlegen. Aber mehr noch müssen wir selbstbewusst zeigen, dass wir für pluralistische, britische Werte stehen und diese sehr wohl zu einem Leben als Muslime passen." Diese Botschaft müsse aus der muslimischen Gesellschaft selbst kommen, schreibt Javid weiter.

  • 00:45 Uhr
    Christina Felschen

    Die Londoner Polizei hat auf ihrer Website weitere Details zu den zwölf Verhafteten veröffentlicht. Demnach handelt es sich um sieben Frauen und fünf Männer im Alter von 19 bis 60 Jahren, die an zwei verschiedenen Adressen im Ostlondoner Stadtteil Barking verhaftet wurden. Dabei seien keine Schüsse gefallen. Bisher wurde nur ein Verdächtiger entlassen, gegen elf wird weiterhin wegen Terrorismusverdacht ermittelt.

    Aktuell führt die Polizei vier weitere Razzien durch.



  • 23:52 Uhr
    Christina Felschen

    Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Anschlag in London über ihr Sprachrohr Amaq für sich reklamiert. Eine "Zelle von Kämpfern des IS" habe das Attentat verübt, heißt es in dem Bekennerschreiben, das ZEIT-Korrespondent und Terrorismusexperte Yassin Musharbash bestätigte. Das Schreiben kann noch nicht auf Echtheit überprüft werden. Es wurde aber über IS-übliche Kanäle und in der üblichen Form verbreitet.

    In der Vergangenheit hat sich der IS häufig auch zu Taten bekannt, die nicht von IS-Kämpfern ausgeführt wurden, sondern durch andere, die sich durch die Propaganda der Gruppe anstiften ließen. Die Miliz beansprucht auch den Bombenanschlag von Manchester vor etwa zwei Wochen sowie einen ähnlichen Angriff mit einem Fahrzeug auf einer Londoner Brücke im März für sich.

  • 22:56 Uhr
    Jan Luethje

    Bei den Angriffen in London wurde erneut ein Kraftfahrzeug als Waffe benutzt. Seit wann und von wem wird die Methode eingesetzt?

  • 22:50 Uhr
    Mounia Meiborg

    Eindrücke von One Love Manchester


    Das Benefizkonzert in Manchester fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Jeder Besucher werde abgetastet, hatte die Polizei vorab angekündigt. Um die Kontrollen zu beschleunigen, wurden die Menschen aufgefordert, keine Taschen mitzubringen.



    50.000 Menschen versammelten sich, um die Auftritte zu verfolgen – und um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen.




    Einer der Höhepunkte war der Auftritt von Ariana Grande. Sie hatte das Benefizkonzert für die Angehörigen der Opfer organisiert. Kurz nach ihrem Konzert in Manchester am 22. Mai hatte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und 22 Menschen getötet.




    Die US-Sängerin Miley Cyrus sagte, sie fühle sich geehrt, bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Die größte Verantwortung, die man trage, sei, aufeinander zu achten.




    Mit dabei waren auch Robbie Williams und seine alten Bandkollegen von Take That – sie sangen allerdings nicht gemeinsam, sondern nacheinander.


  • 22:39 Uhr
    Veronika Völlinger

    In Berlin wird das Brandenburger Tor in Solidarität mit den Opfern des Anschlags in London in den Farben des Union Jack, der britischen Nationalflagge, angestrahlt. (Foto: John MacDougall/AFP/Getty Images)



  • 21:10 Uhr
    Bastian Brauns

    Etwa zwei Wochen nach dem Bombenanschlag bei ihrem Auftritt in Manchester hat Popstar Ariana Grande mit zahlreichen weiteren Weltstars am Sonntagabend ihr Benefizkonzert unter dem Motto One Love Manchester begonnen. Grandes Manager Scooter Braun twitterte vor Beginn der Veranstaltung: "Heute stehen wir zusammen."


    Beim Konzert gegen den Terror singen unter anderem auch Take That, Robbie Williams, Justin Bieber, Miley Cyrus, Pharell Williams, Katy Perry, Imogen Heap, Justin Bieber, Coldplay und die Black Eyed Peas im Old Trafford Cricket Stadion.



    Das Format scheint in dieser Art zumindest was die Übertragung angeht bislang ohne Beispiel zu sein. Nicht nur vor Ort, auch weltweit verfolgen Hunderttausende Zuschauer parallel über Livestreams in zahlreichen sozialen Netzwerken das Konzert. Sowohl Facebook, YouTube als auch auch Twitter sowie zahlreiche Fernsehstationen übertragen das Konzert.

    Sämtliche Einnahmen sollen dem We Love Manchester Emergency Fund zugute kommen. Dieser wurde aufgesetzt, um die Familien der Opfer und die vom Anschlag Betroffenen zu unterstützen. Spenden können auf einer offiziellen Website des britischen Roten Kreuzes gemacht werden. 

  • 20:51 Uhr
    Veronika Völlinger

    Labour-Chef Jeremy Corbyn hat sich erneut öffentlich geäußert und ist wie auch Theresa May in den Wahlkampfmodus zurückgekehrt.

    Er warf May vor, die Stellen bei der Polizei zusammengestrichen zu haben. "Man kann die Gesellschaft nicht auf die billige Tour schützen", sagte Corbyn in der nordenglischen Stadt Carlisle. Mays politischer Gegner kündigte an, 10.000 neue Polizisten einzustellen, falls er die Wahl am 8. Juni gewinnen sollte.

    Der Labour-Chef verlangte außerdem "unangenehme Gespräche" mit Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten über die Finanzierung des islamistischen Extremismus. "Es ist nicht richtig, dass Theresa May einen Bericht über ausländische Finanzierung extremistischer Gruppen unterdrückt", kritisierte er mit Blick auf einen entsprechenden Medienbericht.

    Ähnlich wie May appellierte Corbyn an den Zusammenhalt der Briten. "Unsere demokratischen Werte müssen erhalten bleiben", sagte er. Der Islamophobie und der Spaltung müssten die Briten bei der Parlamentswahl widerstehen.

    Corybn schloss mit einem Dank an die Menschen, die nach den Anschlägen in Manchester und London füreinander da gewesen seien. Das zeige, dass das Land eine Gesellschaft für alle und nicht für einige wenige wolle – for the many not the few ist der Labour-Wahlslogan.


  • 20:32 Uhr
    Jan Luethje

    Festnahmen in London

    >

  • Mehr Beiträge laden


Kommentare

1.503 Kommentare Seite 1 von 53 Kommentieren