Als der 22-jährige US-Student Otto Warmbier vergangene Woche aus Nordkorea ausgeflogen wurde, konnte er zwar die Augen öffnen und blinzeln. Auf Sprache oder Anforderungen aber reagierte er nicht. Nordkoreanischen Beamten zufolge war Warmbier während seiner Haft an einer schweren Nahrungsmittelvergiftung erkrankt. Doch amerikanische Ärzte, die Warmbier untersucht haben, halten das für unwahrscheinlich.

Vor zwei Tagen starb Warmbier in seiner Heimatstadt Cincinnati. Seine Eltern lehnen eine Autopsie seiner Leiche ab. Dieser Wunsch werde akzeptiert, teilte die zuständige Gerichtsmedizin im Bundesstaat Ohio mit. Die Todesursache wird damit möglicherweise für immer unklar bleiben.

Weltweit reagierten die Medien mit Bestürzung. Zentrale Fragen sind: Warum musste Warmbier sterben? Und: Welche Folgen hat sein Tod für das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea?

Die Washington Post kommentiert: "Denken Sie einmal darüber nach: Kims (Kim Jong Un, Führer des kommunistischen Landes, Anm. d. Red.) Handlanger realisierten, dass ihr gefangener Amerikaner hirntot war – also entschieden sie, die Verantwortung auf seine Eltern abzuladen. Allein das ist widerwärtig genug. Aber die Frage bleibt: Was taten sie diesem Jungen an, was ihm solchen Schaden zufügte? Warum wählten sie gerade ihn aus für diese barbarische Behandlung?"

Das nordkoreanische Regime hatte Warmbier vorgeworfen, ein Propagandaplakat in einem Hotel gestohlen zu haben. Im März vergangenen Jahres war er deswegen zu 15 Jahren Arbeitshaft verurteilt worden. Wenig später fiel er nach Angaben Nordkoreas ins Koma.

Wer reist nun noch als Urlauber nach Nordkorea?

In einem anderen Artikel fragt die Washington Post: "Hätte Warmbier gerettet werden können?" Mehrere Neurologen sagten der Zeitung, es gebe keinen Weg, um sicher bestimmen zu können, was das Koma ausgelöst hatte. Sie sagten aber auch, dass der Tod eventuell hätte verhindert werden können – wenn der Auslöser des Komas vermieden, minimiert oder richtig behandelt worden wäre. Nach Tagen oder Wochen aber sei es zu spät gewesen.

Weitere Zeitungen konzentrierten sich auf die Tatsache, dass Warmbier als Urlauber nach Nordkorea gereist war. Die BBC etwa schreibt, durch seinen Tod sollten sich andere Reisende zweimal überlegen, ob sie wirklich ins geheimste Land der Welt reisen sollten. Einige Reisebüros würden Nordkorea als "abgelegenes und magisches Land" oder als "einer der letzten unberührten Plätze in der Welt" bewerben. Doch Anfragen der BBC nach Warmbiers Tod würden sie nicht beantworten.

Die Frankfurter Allgemeine-Zeitung porträtiert die Reiseagentur Young Pioneer Tours, mit der Warmbier unterwegs gewesen war: "Die Agentur offeriert, Touristen an Orte zu bringen, 'von denen deine Mutter dich fernhalten will'." Nach Warmbiers Tod habe das Unternehmen aber angekündigt, keine Reisen mehr nach Nordkorea zu organisieren. Wer trotzdem Urlaub in dem kommunistischen Land machen wolle, solle Sicherheits- und medizinische Probleme einkalkulieren, schreibt die FAZ. "Darüber hinaus spielen ethisch-moralische Bedenken eine wichtige Rolle: Touristen bringen Devisen ins Land und stabilisieren damit, wenn auch ungewollt, das Regime, das das Tourismus-Geschäft fest in der Hand hält und die Preise für Hotels und Transfers diktiert."

Die US-Behörden raten ihren Bürgen dringend von Reisen nach Nordkorea ab. In dem Land würden drakonische Strafen für Dinge verhängt, die in den USA nicht als Straftaten bekannt sind, heißt es vom US-Außenministerium.

Ein Krieg mit Nordkorea wäre eine Tragödie

Der britische Guardian bezeichnet den Tod des Studenten als Tragödie. Ein Krieg mit Nordkorea sei das aber auch, schreibt die Zeitung und behandelt damit die Frage, wie die USA auf den Tod antworten sollten. Denn US-Politiker hätten Vergeltung gefordert. Doch das sei falsch. Stattdessen müsse man mit Nordkorea verhandeln. Dabei sei China ein wichtiger Partner. "Sie wollen nordkoreanische Generäle bestrafen und nicht das seit Langem leidende nordkoreanische Volk? Bringen Sie China dazu, den Generälen und ihren Geliebten zu verweigern, nach Peking zu fliegen, dort Luxusgüter zu kaufen – oder weiter in den Urlaub nach Paris zu reisen."

Die New York Times analysiert, welche Folgen Warmbiers Tod für die diplomatischen Beziehungen zwischen USA und Nordkorea haben könnte. Die Meinung unter Experten sei zweigeteilt. Die einen glaubten, dass erst einmal die Todesumstände aufgeklärt sein müssten, bevor wieder seriöse Diskussionen etwa über Nordkoreas Atomprogramm beginnen könnten. Andere Analysten hingegen denken laut der Zeitung nicht, dass die US-Regierung wegen des Ereignisses – so schlimm es auch sei – ihre Bemühungen um einen Dialog mit Nordkorea beenden würde. "In einem Statement vom Montag über Warmbier verurteilte Trump Nordkorea für seine 'Brutalität', aber er und Außenminister Rex Tillerson gingen nicht so weit, neue Sanktionen zu verhängen", stellt die Times fest.

Trump macht Nordkorea für Warmbiers Tod verantwortlich. "Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer bedauern", hatte die US-Regierung mitgeteilt. In Nordkorea sitzen noch drei US-Bürger in Haft. Das amerikanische Außenministerium bemüht sich nach eigenen Angaben, die Gefangenen freizubekommen.

Der österreichische Standard weist darauf hin, dass Trumps Spielraum begrenzt ist: "Die US-Regierung, die sich diese Woche mit der chinesischen Seite zu Verhandlungen trifft, wird auf strengere Sanktionen gegen Nordkorea pochen und ihre Isolationspolitik weiter forcieren." Dennoch tausche die verbale Verurteilung durch Trump nicht darüber hinweg, dass der Spielraum für Sanktionen nahezu ausgereizt sei. Schließlich werde sich China nicht zwingen lassen, die für Pjöngjang wichtigen Öllieferungen einzustellen. "Und einen militärischen Erstschlag wird Donald Trump nicht riskieren wollen – auch wegen der 25 Millionen Menschen, die nur eine Autostunde südlich der nordkoreanischen Grenze im Ballungsraum Seoul leben."