Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Großbritannien ist London erneut Ziel eines Anschlags geworden. Auf der London Bridge fuhr ein Lieferwagen in eine Menschenmenge, anschließend griffen Attentäter wahllos Passanten im nahen Ausgehviertel Borough Market an. Mindestens sechs Menschen wurden getötet und mehr als 50 weitere verletzt. Die Polizei erschoss drei Angreifer.

Laut Augenzeugen steuerte der Lieferwagen gezielt auf Passanten zu. BBC-Reporterin Holly Jones berichtete, der Wagen sei 80 Stundenkilometer schnell gewesen und auf dem Bürgersteig in eine Menschenmenge gefahren. Ein weiterer Augenzeuge sagte dem Sender, der Lieferwagen sei im Zickzackkurs gefahren, "er hat versucht, so viele Menschen wie möglich zu erwischen".

Täter trugen Sprengstoffattrappen

Polizisten erschossen schließlich drei Angreifer. Laut dem Chef der Terrorabwehr von Scotland Yard, Mark Rowley, trugen die Männer Sprengstoffattrappen am Körper. Die Ermittler gingen demnach nicht davon aus, dass Angreifer entkommen seien, weitere Untersuchungen seien aber notwendig. So würden unter anderem ihre Mobiltelefone durchsucht. Die Londoner Polizei werde ihre Präsenz in der britischen Hauptstadt in den nächsten Tagen verstärken, sagte Rowle.

Angriffe in London am 3. Juni 2017

Unter den Schwerverletzten ist auch ein Polizist, der nach Hilferufen zum Tatort eilte. Einer der Attentäter habe ihm mit einem Messer ins Gesicht gestochen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Sein Zustand soll nicht lebensbedrohlich sein.

Nach Angaben der Rettungsdienste wurden 48 Verletzte in fünf Krankenhäuser der Stadt eingeliefert. Mehrere weitere Personen mit leichteren Verletzungen wurden demnach vor Ort medizinisch versorgt. Die Polizei rief die Bewohner Londons auf, einen sicheren Ort aufzusuchen oder sich notfalls zu verstecken. Die Rettungsdienste waren im Großeinsatz, zahlreiche Straßen in der Umgebung wurden gesperrt, Polizeihubschrauber kreisten über dem Gebiet.

Britischer Muslimenverband verurteilt Anschläge

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich bestürzt über die jüngste Terrorattacke. "Ich denke in diesen Stunden in Anteilnahme und Solidarität an unsere britischen Freunde und an alle Menschen in London", teilte die Kanzlerin in einer Erklärung mit. "Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit." Merkel bekräftigte, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus "fest und entschlossen" an der Seite Großbritanniens stehe.

Auch die USA und Frankreich sagten Großbritannien ihre Unterstützung zu. Das US-Außenministerium verurteilte die "feigen Angriffe auf unschuldige Zivilisten". Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem "gezielten und feigen Angriff auf unschuldige Londoner und Besucher unserer Stadt, die ihren Samstagabend genossen". Es gebe keine Rechtfertigung für derartig "barbarische Taten".

"Als Mitglieder der britischen Gesellschaft müssen wir weiterhin alle Terrorakte verurteilen", sagte der Vorsitzende des Brititschen Muslimenverbands (MAB), Dr Omer El-Hamdoonin. "Wir dürfen diesen Kriminellen nicht erlauben, Hass und Angst zu verbreiten. Wir müssen ihre Versuche vereiteln, uns zu spalten."

Am 22. Mai hatte sich der Selbstmordattentäter Salman Abedi am Ende eines Konzertes von US-Popstar Ariana Grande in Manchester im Norden Englands in die Luft gesprengt und 22 Menschen mit in den Tod gerissen. 116 Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern sind viele Jugendliche und Kinder. Grande schrieb auf Twitter, sie "bete für London". Die Sängerin tritt am Sonntagabend neben anderen Stars bei einem Solidaritätskonzert für die Opfer des Anschlags von Manchester auf.