Dem Kinderhilfswerk Unicef fehlen rund 220 Millionen Dollar für die Nothilfe für syrische Kinder. Es handele sich um den bedrohlichsten finanziellen Engpass seit Beginn des Syrien-Krieges, sagte Unicef-Generalsekretär Geert Cappelaere. Knapp sechs Millionen Kinder in Syrien und 2,5 Millionen geflüchtete Kinder in den Nachbarstaaten wären von einem Ende des Programms betroffen. Als Folge müssten viele Familien ihre Kinder arbeiten schicken, als Kämpfer ausbilden lassen oder minderjährig verheiraten.

Das Hilfswerk hatte die Geberstaaten für 2017 um 1,4 Milliarden Dollar gebeten. Davon stünde derzeit erst ein Viertel zur Verfügung. Das Geld soll sowohl in Syrien als auch in den umliegenden Ländern eingesetzt werden, um verwaiste, vertriebene oder verletzte syrische Kinder zu unterstützen und auszubilden. Ohne neues Geld drohe die Einstellung einiger entscheidender und lebensrettender Aktivitäten, so die Organisation. Beispielsweise müsste die Wasser- und Sanitärversorgung in Flüchtlingslagern und anderen provisorischen Unterkünften eingestellt werden. Das beträfe rund 1,2 Millionen Minderjährige.

Der Syrien-Krieg hat sich mittlerweile laut Unicef zur größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Allein im vergangenen Jahr sind laut Unicef 652 Kinder gestorben, 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Mehr als 850 Kinder seien 2016 an der Front, als Selbstmordattentäter oder Gefangenenaufseher eingesetzt worden. Die Zahl habe sich im Vergleich zu 2015 verdoppelt.

Viele Kinder sterben an Krankheiten, die ohne den Bürgerkrieg hätten behandelt werden können, oder werden nach Einschätzung der Helfer ihr Leben lang an Traumata leiden. Unicef appellierte an die Staatengemeinschaft, sich entschiedener für ein Ende des Krieges einzusetzen.