Nach aktuellen Zahlen von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Unicef haben sich mittlerweile mehr als 100.000 Menschen im Jemen mit Cholera infiziert. Knapp die Hälfte sind Kinder unter 15 Jahren. 791 Menschen starben an der Krankheit bereits. Der Ausbruch der Infektionskrankheit mache die ohnehin schwierige Situation für Kinder in dem Bürgerkriegsland noch schlimmer, sagte eine Unicef-Vertreterin. Viele Kinder, die an Cholera gestorben seien, seien unterernährt gewesen.

Der Gesundheitsstaatssekretär der von Rebellen geführten Regierung in Sanaa, Nasser al-Argali, machte den von Saudi-Arabien angeführten Militäreinsatz gegen die schiitischen Huthi-Rebellen für den Ausbruch verantwortlich. Die Kämpfe haben wichtige Einrichtungen beschädigt und dafür gesorgt, dass Arzneimittel knapp geworden sind.

Vertreter der jemenitischen Gesundheitsbehörden teilten mit, dass ein Flugzeug aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 50 Tonnen Cholera-Behandlungsmittel in die südliche Stadt Aden gebracht habe. Aden wird von den Regierungskräften kontrolliert. Die Emirate gehören der saudisch geführten Koalition an.

Schwere humanitäre Krise

Bereits im vergangenen Oktober hatte Unicef den Ausbruch der Cholera in der Hauptstadt Sanaa gemeldet. Durch den Bürgerkrieg war das Gesundheitssystem schon damals zusammengebrochen. Wenn Cholera nicht behandelt wird, droht 15 Prozent der Erkrankten binnen weniger Stunden der Tod, warnte die Organisation. Cholerabakterien werden über mit Fäkalien verseuchtes Trinkwasser übertragen, sie lösen bei den Infizierten starken Durchfall aus. 

Die Vereinten Nationen hatten vor wenigen Tagen noch von etwa 70.000 Cholera-Fällen gesprochen. Unicefs Nahost-Direktor Geert Cappelaere hatte vor 3.000 bis 5.000 neuen Cholera-Fällen pro Tag im Jemen gewarnt.

Im Jemen kämpfen seit Anfang 2015 die schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe auf die Rebellen. Extremistengruppen wie Al-Kaida und der "Islamische Staat" (IS) machen sich den Konflikt zunutze, um ihre Macht in dem Land auszuweiten. Die Weltgesundheitsorganisation spricht mit Blick auf den Jemen von einer der schwersten humanitären Krisen weltweit.