Trotz hoher Nachfrage soll die Suche nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs im Jahr 2023 auslaufen. Das geht aus einer Vereinbarung zur langfristigen Finanzierung des Suchdienstes hervor, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière und der Präsident des Deutschen Roten Kreuz (DRK), Rudolf Seiters, in Berlin unterzeichnen. Das teilte ein Sprecher des Roten Kreuz mit. Das DRK ist für den vom Bundesinnenministerium geförderten Suchdienst zuständig.

Derzeit gibt es noch relativ viele Anfragen zu Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Im vergangenen Jahr gingen knapp 9.000 Suchanfragen beim Roten Kreuz ein, im ersten Quartal 2017 waren es mehr als 2.000. Vor allem die Kinder- und Enkelgeneration sei an dem Schicksal ihrer Angehörigen aus dem Zweiten Weltkrieg interessiert, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters. Er sei dankbar, dass der Suchdienst noch so lange fortgesetzt werden könne.

Das Innenministerium und das DRK gehen der Vereinbarung zufolge aber davon aus, dass die Suche nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs im Verlauf der Jahre an Bedeutung verlieren wird. Der Suchdienst des Roten Kreuz hat bei der Suche nach Vermissten des Zweiten Weltkrieges, unter denen auch viele deutsche Kriegsgefangene sind, eine lange Nachkriegstradition. Allein von 1945 bis 1950 erreichten das Rote Kreuz laut dem Sprecher rund 14 Millionen Anfragen. Davon konnte der Suchdienst 8,8 Millionen klärend beantworten und damit die Schicksale von vermissten Angehörigen offenlegen. Das Innenministerium finanziert den Suchdienst mit 11,5 Millionen Euro pro Jahr.  

Hintergrund der neuen Vereinbarung zwischen dem Innenministerium und dem Deutschen Roten Kreuz ist vor allem die hohe Nachfrage an den Suchdienst durch die internationalen Entwicklungen der letzten Jahre. Durch die Flüchtlingskrise wird der Suchdienst derzeit stark beansprucht. Laut Seiters erhält das DRK seit 2015 viele Anfragen von Menschen, die auf der Flucht getrennt wurden.

Die Suchenden und Gesuchten kämen dem DRK-Präsident zufolge am häufigsten aus Afghanistan, Syrien und Somalia. "Die andauernden weltweiten Konflikte mit Millionen von Flüchtlingen zeigen, wie unverzichtbar eine international vernetzte Institution wie der DRK-Suchdienst auch in Zukunft ist", sagte Seiters.