Autonome klettern auf die Promenade, die Zuschauer fliehen auf die andere Seite der Mauer, wo sich zur Elbe hin ein gepflasterter Parkplatz erstreckt. Es knallt. Wieder Reizgas. Jetzt stürzen auch schwarz Vermummte die Treppen Richtung Fluss hinunter. Als die Polizisten ihnen folgen, bricht in der Menge Panik aus. Plötzlich laufen, rennen alle, hierhin, dorthin. Doch die Menschen wissen nicht, wohin sie fliehen sollen. Manche retten sich bis hinunter auf die Uferbefestigung, andere erklimmen ein russisches Museums-U-Boot, das hier verankert liegt. Einige Jugendliche ziehen sich auf einen Anleger der Hafenfähren zurück. Ein Mädchen weint, sie hat sich am Bein verletzt. Ein älteres Paar beobachtet fassungslos, was da geschieht.

Später werden Polizisten berichten, sie seien mit Latten und Flaschen angegriffen worden. Und die Polizei wird auf Twitter schreiben: "Wir stellen ca. 1.000 vermummte Personen im Aufzug fest. Friedlicher Protest sieht anders aus." Zu diesem Zeitpunkt haben sich am Fischmarkt wohl 12.000 Demonstranten versammelt.

Dann beendet der Veranstalter die Demonstration offiziell. Der schwarze Block ist zersprengt. Am Brunnen auf dem Fischmarkt spülen sich Verletzte die gereizten Augen aus. Einige Demonstranten ziehen sich in die umliegenden Straßen zurück.

"Das ist doch mal 'ne Demo"

Doch viele bleiben. Sie sind nicht schwarz gekleidet, sondern bunt, standen noch auf dem Fischmarkt und der anliegenden Breiten Straße. Nun formieren sie sich neu. Eine Sambagruppe führt sie an. Aus dem Lautsprecherwagen dröhnt Techno. Die Menge klatscht und tanzt. Die Polizei lässt die Demonstration auf der alten Route langsam weiterlaufen. "Das ist doch mal 'ne Demo", tönt es aus einem Polizeilautsprecher.

Viele Jugendliche sind darunter. Als die Polizei den Zug kurz vor den Landungsbrücken abermals anhält, erklettern einige von ihnen die Dächer der Schuppen, die hier zur Elbe hin stehen. Sie schippen Regenwasser auf Polizisten, die unten vorbeilaufen. Doch das scheint die Beamten nicht zu stören, so wenig wie die schwarz Vermummten, die wieder in der Menge auftauchen.

Es dauert lange, bis die Polizei die Strecke freigibt. Doch dann geht es plötzlich ganz schnell. Die Hundertschaft, die vor der Zugspitze herläuft, kann kaum so schnell marschieren, wie die Demonstranten nachdrängen, den Hang hinauf nach St. Pauli zur Reeperbahn.

Dort trifft die Menge von den Landungsbrücken auf versprengte Demonstranten, die sich in der Hafenstraße zu einem zweiten Zug zusammengeschlossen haben. An der Davidwache kommen weitere Gruppen hinzu, bis der Zug schließlich am Ende der Reeperbahn mit einer dritten Demo zusammentrifft.

Neuer Protest "gegen Polizeigewalt"

Aber worum geht es hier eigentlich noch, wie weit sollen sie ziehen, wo soll die Demonstration enden? Ein neues Motto ist schnell gefunden, nun geht es "gegen die Polizeigewalt und die Hamburger Verhältnisse". Laufen will man den ehemals für die Welcome-to-Hell-Demo geplanten Weg.

Der neue Protestzug ist bunt und wild, aber friedlich. Vereinzelt hört man Sprechchöre. Irgendwoher taucht das Leittransparent "Welcome to Hell" wieder an der Spitze auf. Immer mehr Menschen kommen dazu, jetzt sind auch viele Fahrradfahrer dabei. Doch dann, kurz vor Mitternacht, eskaliert es wieder. Die Demonstration hat die Rote Flora erreicht, das Autonomen-Zentrum im Schanzenviertel. Dort brennen Barrikaden. Wieder Flaschen, wieder Schlagstöcke und Wasserwerfer. Geruch und Atemwegen nach zu urteilen auch Pfefferspray. Dann ist die Demonstration zu Ende.

Fünfzehn stark verletzte Beamte meldet die Polizei, dazu eingeschlagene Scheiben und beschädigte Einsatzfahrzeuge. Bis in die Nacht sind in der Stadt Sirenen zu hören. Doch wenn das die gefährlichste Demonstration war, die Hamburg zu erwarten hatte, dann hat die Stadt sie recht gut hinter sich gebracht.

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Mitarbeit: Frank Drieschner, Holger Stark, Alexander Tieg