Wenige Stunden später ist Ruhe in Barmbek eingekehrt. Eine ganze Kolonne von Polizeifahrzeugen parkt rund um die Einkaufsmeile in der Fuhlsbüttlerstraße. Die Mordkommission sichert Spuren. Vor den vielen Dönerbuden und Kiosken sitzen Menschen, trinken Bier und unterhalten sich entspannt.

Helmut Schmidt und Angela Merkel wurden in Barmbek geboren. Doch von historischer Bedeutsamkeit merkt man hier wenig. Vielmehr strahlt der Stadtteil eine kühle, hanseatische Familiarität aus, wenn auch mit multikulturellem Flair. In den Straßen hört man Französisch, Polnisch, Türkisch, Arabisch, alle Sprachen. Die Menschen kennen sich, leben teils schon sehr lange hier.

"Vor 50 Jahren haben mich meine Eltern schon mit dem Kinderwagen durch die Fuhle geschoben," sagt beispielsweise Nicole Nicol. Er schätzt Barmbek als Einkaufsparadies. Nirgends seien die Preise so niedrig wie hier. Die Verkäufer in den Läden kennt er alle beim Vornamen. Auch jene, die um 15.10 Uhr im Edeka an der Kasse saßen und die Gewalttat von Ahmad A. miterleben mussten. "Eigentlich bin ich um die Uhrzeit ja immer im Edeka einkaufen", sagt Nicol, "nur heute nicht, weil ich mal die andere Buslinie genommen habe und später dran war." 

Eigentlich ein ruhiges Viertel

Von den Ausschreitungen während des G20-Gipfels ist Barmbek verschont geblieben. Es gab hier keine Demonstrationen und keine brennenden Autos. An Laternenmasten und Mülleimern leisten sich Linke und Neonazis einen Wettbewerb darin, die Aufkleber der jeweils anderen zu überkleben oder abzureißen.

200 Meter entfernt von dem Supermarkt, in dem Ahmad A. seinen Anschlag begann, steht ein Geschäft namens Nordic Company, das Kleider der Marke Thor Steinar verkauft. Einer Marke, die gern von Neonazis getragen wird. Die Fassade des Geschäfts ist voller Flecken, Gegner des Ladens haben ihn mit Farbbeuteln beworfen. "Wegen des Geschäfts gab es hier zuletzt mehrmals Demonstrationen von Antifa-Gruppen", sagt Nicole Reinhard. "Das nervte manchmal und es war zuletzt eigentlich auch der einzige Anlass für ein wenig Unruhe im Viertel." Auch sie kennt in der Fuhle jede Ecke.

Bis vor Kurzem arbeitete sie in der Bäckerei-Filiale im Edeka-Markt. "Ich habe sehr gerne in dieser Bäckerei gearbeitet, da hat man viele tolle Menschen getroffen." Sie sei auch mit der Verkäuferin befreundet, die zur Tatzeit in der Filiale gearbeitet hat. "Als ich sie eben im Fernsehen gesehen habe, war ich total schockiert." Später wolle sie sie besuchen. "Ich weiß noch nicht, wer der Tote ist und wer die Verletzten." Aber vielleicht seien es Leute, die sie kenne.