Der indonesische Präsident Joko Widodo hat die Polizei zu einem kompromisslosen Vorgehen im Antidrogenkampf aufgerufen. "Seid unnachgiebig, besonders bei ausländischen Drogenhändlern, die in unser Land kommen. Sobald sie den geringsten Widerstand leisten, erschießt sie einfach", sagte Widodo am Freitagabend in einer Rede. Indonesische Medien zitierten ihn mit den Worten: "Schießt sie nieder. Seid gnadenlos."

Menschenrechtsaktivisten verurteilten den Aufruf. Die Erklärung könne als Aufruf zu illegaler Polizeigewalt missverstanden werden, sagte Andreas Harsono von der Organisation Human Rights Watch. Er rief die Beamten auf, sich an geltendes Recht zu halten.

Widodo bezog sich in seiner Rede auf einen Polizeieinsatz in der vergangenen Woche. Polizisten hatten einen mutmaßlichen Drogenhändler aus Taiwan erschossen, als dieser fliehen wollte. Zwei weitere Männer wurden verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, gemeinsam eine Tonne Crystal Meth nach Indonesien geschmuggelt zu haben. Sollten sie wegen Drogenhandels verurteilt werden, droht ihnen die Todesstrafe.   

Der Präsident rechtfertigt seine harte Haltung mit dem "nationalen Notstand", den der Drogenkonsum in Indonesien verursache. Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung schätzt, dass mehr als fünf Millionen Indonesier Drogen konsumieren, bei rund 260 Millionen Einwohnern. An den Folgen sterben laut dem indonesischen National Narcotics Board rund 18.000 Indonesier jährlich.  

"Drogenhändler verschwinden, wenn man sie erschießt"

Widodos Aufruf erinnert an die martialischen Parolen seines philippinischen Kollegen Rodrigo Duterte, dem im Zusammenhang mit seinem Antidrogenkampf massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. 2.700 Menschen wurden seit Dutertes Amtsantritt vor rund einem Jahr von der Polizei getötet, weitere 1.800 Menschen von Unbekannten erschossen. Duterte billigt im Kampf gegen Drogenhändler ausdrücklich auch Selbstjustiz.

Schon seit Längerem machen sich indonesische Sicherheitskräfte für eine Übernahme des philippinischen Modells stark. Polizeichef General Tito Karnavian sagte vor wenigen Tagen, die Praxis zeige, "dass Drogenhändler verschwinden, wenn man sie erschießt", und lobte Dutertes Politik als Vorbild.  

Schon jetzt zählt Indonesien zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen weltweit. Rund 120 Menschen sollen Berichten zufolge derzeit in indonesischen Todeszellen sitzen, die große Mehrzahl wegen Drogendelikten. Allein in den vergangenen beiden Jahren wurden trotz internationaler Proteste in dem muslimischen Land wegen Drogenvergehen mindestens 18 Menschen hingerichtet, unter ihnen mehrere Ausländer.