Im Jemen sind an der seit Wochen grassierenden Cholera-Epidemie nach Angaben der WHO schon mehr als 1.500 Menschen gestorben. Bis Ende Juni seien 246.000 Verdachtsfälle registriert worden, sagte Nevio Zagaria, der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation im Jemen. Jeden Tag infizierten sich in dem Bürgerkriegsland 5.000 Menschen neu mit der Krankheit, die schweren Durchfall und Erbrechen auslöst und durch Flüssigkeitsverlust zum Tode führen kann. Die WHO rief zu mehr internationaler Hilfe auf.

Durch den seit 27 Monaten andauernden Krieg ist das Gesundheitswesen des Landes weitgehend zusammengebrochen. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung haben nach UN-Angaben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Abwassersysteme und Müllabfuhr funktionieren nicht mehr. Cholerabakterien werden über mit Fäkalien verseuchtes Trinkwasser übertragen. Die UN rechnen mit 300.000 Infizierten bis Ende August.

Die Cholera brach Ende April aus. Im Mai erklärte das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Sanaa den Notstand und bat Hilfsorganisationen um Unterstützung bei der Eindämmung der Seuche.

Im Jemen kämpfen seit 2015 die schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi. Sanaa und große Teile des Landes werden von den Rebellen kontrolliert. Eine internationale Koalition unter der Führung des sunnitischen Saudi-Arabiens versucht, die Aufständischen zu vertreiben. Luftangriffe haben die Infrastruktur des Landes schwer beschädigt.