Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich über seine Ablösung als Chef der Glaubenskongregation enttäuscht gezeigt. "Ich bin alleine für dieses Amt nach Rom gegangen", sagte der 69-Jährige. Als Chef der Glaubenskongregation gehörte Müller fünf Jahre lang zu den mächtigsten Männern im Vatikan, bis Papst Franziskus seine Amtszeit Anfang Juli überraschend nicht verlängerte.

Der damalige deutsche Papst Benedikt XVI., zuvor ebenfalls Präfekt der Glaubenskongregation, holte Müller 2012 nach Rom. Das Amt sei ihm "auf den Leib" geschnitten gewesen. Die genauen Gründe für seine Ablösung kenne er nicht. "Von interessierten Seiten wurden angebliche Spannungen ins Gerede gebracht. Der Papst hat mir jedoch immer wieder versichert, dass er diesen Gerüchten keinen Glauben schenkt und mir voll vertraut", sagte Müller und fügte hinzu: "Für mich bricht nicht die Welt zusammen. Ich kann weiterhin vieles tun für die Kirche."

Er sehe sich nicht als Gegenspieler des Papstes oder als "Scharfmacher", als der er immer wieder dargestellt wird. "Ich glaube, ich war in meinem Leben nie konservativ oder ein Hardliner. Das geistige und religiöse Leben in konservativ und progressiv einzuteilen ist ein Armutszeugnis und verrät nur die Aggression derer, die lieber andere diskriminieren, statt sich mit ihnen argumentativ auseinanderzusetzen."

Zuständig für die Aufklärung von Missbrauchsfällen

Müller verwies auf die persönlichen Anstrengungen, die sein Dienstantritt in Rom mit sich brachte: "Ich bin dreimal umgezogen, bis ich hier in die Wohnung einziehen konnte. Dann die Renovierung, die Klimaanlage, das alles auf eigene Kosten", sagte er. "Es ist nicht so wie wenn man bei einer Regierung berufen wird oder bei internationalen Organisationen, wo alles bezahlt wird. Da hat sich niemand um mich gekümmert." Er fügte hinzu: "Wir Deutschen kriegen die Wohnungen, in die man am meisten investieren muss. Mehr will ich dazu nicht sagen."

Als Chef der Glaubenskongregation war Müller unter anderem für die Aufklärung von Missbrauchsfällen zuständig. Kritiker warfen ihm vor, die Aufklärung nicht schnell genug voranzutreiben oder gar zu behindern. Müller wies das zurück: "Es trifft einfach nicht zu, dass wir in irgendeiner Weise bei der Verfolgung solcher Straftaten nachlässig gewesen sind oder aus mangelndem Arbeitseinsatz den Abschluss eines Prozesses verschleppt hätten". Das genaue Gegenteil sei der Fall. Er habe auch gegen Widerstände eine Null-Toleranz-Linie gefahren.

Es sei offensichtlich, dass die Katholische Kirche bei dem Thema Missbrauch härter angegangen werde als andere Institutionen. "Es gibt Geistliche – Gott sei es geklagt –, die solche Verbrechen begangen haben. Aber deshalb kann man nicht die anderen, nur weil sie auch Priester sind, kollektiv verdächtigen." Die Glaubenskongregation brauche mehr Mitarbeiter, um die Fälle schneller bearbeiten zu können.

Auch der Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen, der während Müllers Amtszeit als Bischof in der bayerischen Stadt bekannt wurde, holte ihn erst diese Woche wieder ein: Jahrzehntelang wurden mindestens 547 Chorknaben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt, wie aus einem Abschlussbericht hervorgeht, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Er habe die Aufklärung vorangetrieben, so Müller, er verstehe nicht, wieso da von Behinderung die Rede sei.