Mehr als vier Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses sollen ab Mittwoch die Plädoyers gehalten werden. Das hat das Oberlandesgericht München nach dem 373. Verhandlungstag bekannt gegeben. Zuvor hatte das Gericht letzte Anträge der Verteidigung abgelehnt, etwa die Forderung nach einem neuen psychiatrischen Gutachten über den Zustand der Hauptangeklagten Beate Zschäpes. Zugleich schloss der Vorsitzende Richter Manfred Götzl die Beweisaufnahme ab.

Als erste Partei soll die Bundesanwaltschaft plädieren. Bundesanwalt Herbert Diemer zeigte sich dafür bereit, das Plädoyer der Anklage werde voraussichtlich 22 Stunden dauern.

Nach der Bundesanwaltschaft sollen die Nebenkläger – Vertreter der Opfer-Angehörigen – das Wort für ihre Plädoyers erhalten, anschließend die Verteidigung. Dies soll aber voraussichtlich erst im September nach der Sommerpause passieren. Letzter bisher geplanter Verhandlungstag ist der 1. August. In den vergangenen Jahren des Prozesses wurden 815 Zeugen angehört und 42 Sachverständige befragt.  

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe lebte fast 14 Jahre mit den Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun aus rassistischen Motiven. Sie sollen zudem zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten verübt und mehrere Banken überfallen haben. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. Ihr droht eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Auf unserem Blog können Sie alle Entwicklungen im NSU-Prozess nachlesen.