Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), hat sich offiziell von einer Studie zum Rechtsextremismus in Ostdeutschland distanziert, die ihr Haus selbst in Auftrag gegeben hatte. Die Parlamentarische Staatssekretärin begründete ihr Vorgehen in einem Schreiben an die Autoren vom Institut für Demokratieforschung an der Universität Göttingen mit methodischen Fehlern und einem Mangel an Sorgfalt, wie die Sächsische Zeitung berichtet.

Die Studie sollte mögliche Ursachen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland auf regionaler Ebene untersuchen. Bereits kurz nach Veröffentlichung wurde den Wissenschaftlern vorgeworfen, handwerklich unsauber gearbeitet zu haben. Kritisiert wurden vor allem Flüchtigkeitsfehler bei der Anonymisierung einzelner Gesprächspartner. Gleicke hatte die Autoren zunächst in Schutz genommen.

Mit Verwunderung habe sie nun zur Kenntnis genommen, dass das Göttinger Institut dem Ministerium ohne nähere Erläuterungen neue Studienfassungen übermittelt habe, zitierte die Sächsische Zeitung aus dem Schreiben Gleickes. Unter anderem seien in einem Fall offensichtlich nicht belegbare bloße Aussagen eines anonymen Akteurs als Tatsachen dargestellt worden. Dies sei "mit den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens nicht zu vereinbaren und zum anderen ein klarer Beleg für eine schlicht nicht hinnehmbare Schlamperei".

Die Studie habe ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt, schrieb Gleicke. "Hieraus kann ich nur die Konsequenz ziehen, mich hiermit in aller Form von der Studie zu distanzieren." Gleicke kündigte an, die Rückerstattung bislang ausgezahlter Mittel prüfen zu lassen. Die Kosten der Studie belaufen sich nach früheren Angaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf 129.400 Euro.

Schwerpunkt der im Mai veröffentlichten Untersuchung waren die Städte Heidenau, Freital und Erfurt. Die Autoren waren darin zu dem Schluss gekommen, dass rechtsextremes Gedankengut in Ostdeutschland auf besonders fruchtbaren Boden falle. Rechtsextremismus sei zwar nicht ausschließlich ein ostdeutsches Problem. Er werde aber befördert durch regionale Besonderheiten, die in Ostdeutschland stärker ausgeprägt seien.

Dazu zählte das Göttinger Institut für Demokratieforschung unter anderem die Sozialisierung in der DDR, ein weitverbreitetes Gefühl der kollektiven Benachteiligung, fehlende Erfahrungen mit Ausländern und auch mangelnde politische Bildung.