Japan hat erneut zwei Todesurteile vollstreckt. Wie das Justizministerium in Tokio mitteilte, wurden die zwei verurteilten Mörder Masakatsu Nishikawa und Koichi Sumida gehängt. Damit hat das Land seit dem Amtsantritt des konservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe vor viereinhalb Jahren 19 Menschen hingerichtet.

Der 61-jährige Nishikawa hatte japanischen Medienberichten zufolge 1991 vier Barbesitzerinnen getötet. Der 34 Jahre alte Koch Sumida tötete 2011 eine Arbeitskollegin. Justizminister Katsutoshi Kaneda genehmigte es, die Urteile zu vollstrecken, wie die Regierung mitteilte.

Im vergangenen Jahr sprach sich die japanische Juristenvereinigung erstmals dafür aus, die Todesstrafe bis zum Jahr 2020 abzuschaffen. Auch die Regierungen ausländischer Staaten und Menschenrechtsaktivisten kritisieren die Praxis. Todeskandidaten in Japan müssten teils jahrzehntelang in Einzelhaft auf ihre Hinrichtung warten. Besonders grausam sei, dass den Verurteilten der Zeitpunkt ihrer Hinrichtung erst wenige Stunden vorher angekündigt wird.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), forderte die japanische Führung auf, die Praxis zu überdenken und die weitere Vollstreckung der Todesstrafe auszusetzen. Sie sei "eine unmenschliche und grausame Art der Bestrafung" und werde von der Bundesregierung "unter allen Umständen abgelehnt".

Japan, die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt, hält neben den USA als einziges großes Industrieland an der Todesstrafe fest. Im Gegensatz zu den USA vollzieht Japan Hinrichtungen noch immer durch den Strang. Nach Umfragen unterstützt die große Mehrheit der Japaner die Praxis.