Unwetterartiger Dauerregen hat in Teilen Deutschlands die Pegel steigen lassen und zu Überschwemmungen geführt. Vor allem Niedersachsen war am Morgen stark betroffen, doch auch für Thüringen und Sachsen-Anhalt wurden Hochwasserwarnungen ausgegeben. Für die kommenden Tagen gaben Meteorologen Entwarnung: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zieht das  Tief "Alfred" nach Osten ab. Der Regen höre damit zwar nicht auf, aber die Intensität lasse nach.

In Niedersachsen wurden drei Feuerwehrmänner im Hochwassereinsatz bei einem Verkehrsunfall verletzt. Das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr war nach Polizeiangaben zu einem Einsatz in Wolstorf bei Helmstedt unterwegs und aus bislang ungeklärter Ursache plötzlich auf den unbefestigten Seitenstreifen geraten, der wegen der Regenfälle stark aufgeweicht war. Der Fahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, fuhr etwa 70 Meter über den Seitenstreifen und prallte gegen einen Baum.

In der Region rund um den Harz waren Bäche und kleinere Flüsse über die Ufer getreten. Nach Angaben des Kreisfeuerwehrverbands Goslar waren in Rhüden, einem Ortsteil der Gemeinde Seesen, rund 200 Wohnungen oder Häuser von Hochwasser betroffen. Dort flössen "Wassermassen" durch den Ort und überschwemmten die Straßen.

Ernst war die Situation nach Angaben des Verbands auch in Bad Harzburg, wo ebenfalls Wasser durch die Straßen floss. Die Gemeinde war laut Deutscher Bahn per Zug nicht mehr zu erreichen. In der Altstadt von Goslar floss laut Feuerwehr Wasser über den Marktplatz. Dort wurde ein Altenheim geräumt.


In Sachsen-Anhalt meldete der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft für die Ortschaften Mahndorf an der Holtemme sowie Hoppenstedt und Ilsenburg an der Ilse die zweithöchste Wasserwarnstufe. In Thüringen bestand laut Hochwasserzentrale Überflutungsgefahr für die Einzugsgebiete der Flüsse Leine, Unstrut und Werra.

Auch in Hessen hielten starke Regenschauer die Feuerwehren im Dauereinsatz. Seit Dienstagabend habe es mehr als 34 Einsätze gegeben, sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr Kassel. Die Hochwassersituation entspannte sich da wieder.

Umgestürzte Bäume, Sandsäcke, Notunterkünfte

In der Nacht waren vor allem kleinere Flüsse im Raum Kassel über die Ufer getreten. Mit Sandsäcken errichteten Feuerwehren Barrieren gegen das Wasser. Hochwasseralarm habe man für Anwohner aber nicht ausrufen müssen, sagte der Feuerwehrsprecher. Laut den Einsatzkräften war aufgrund des Regens der Boden so aufgeweicht, dass am Morgen mehrere Bäume umstürzten. Sie blockierten Straßen und beschädigten die Oberleitung einer Straßenbahn. Verletzt worden sei niemand, hieß es am Mittag.

In Hildesheim trat in der Nacht laut Stadtverwaltung der Fluss Innerste zwischenzeitlich über die Ufer. Helfer von Feuerwehr und Hilfsorganisationen errichteten Sandsackbarrieren, die zunächst standhielten. Dennoch bestand weiterhin noch die Gefahr, dass Teile eines Wohngebiets überflutet werden könnten. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, müsse der betroffene Bereich geräumt werden, teilte die Stadtverwaltung mit. In einer Sporthalle sei daher bereits eine Notunterkunft eingerichtet worden, in der Anwohner betreut werden könnten.

Aber auch aus Brandenburg und den südlichen Bundesländern wurden Probleme gemeldet. So berichteten die Behörden in Bayern von steigenden Pegelständen und gaben Hochwasserwarnungen für verschiedene Landkreise und Städte heraus – darunter für die Kreise Ober- und Unterallgäu und Rhön-Grabfeld sowie die Städte Bamberg, Memmingen, Kempten.

Seit Tagen sorgt Tief Alfred über weiten Teilen Deutschlands für kräftige Niederschläge. Besonders betroffen vom Dauerregen der vergangenen Tage war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ein Streifen vom südlichen Niedersachsen über Teile Hessens und Thüringens bis nach Nordbayern. Dort fielen binnen 48 Stunden verbreitet mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter – und damit teils deutlich mehr als sonst in einem gesamten Juli. Auf dem Brocken im Harz registrierte der DWD sogar 238 Liter Regen, in Seesen im Harz 161 Liter, in Helbedündorf in Thüringen 134 Liter und in Hessisch-Lichtenau 111 Liter.