Die wegen des Fipronil-Skandals in die Schlagzeilen geratene niederländische Firma Chickfriend hat einem Medienbericht zufolge deutsche Landwirte offenbar auch mit falschen Dokumenten getäuscht. Wie der Spiegel schreibt, soll das Unternehmen seinen Kunden ein vierseitiges Papier vorgelegt haben, das wie ein offizielles Produktsicherheitsblatt ausgesehen habe. Aus dem Papier sei hervorgegangen, dass das Desinfektionsmittel Dega 16 harmlos sei. Verschwiegen worden sei hingegen, dass die Lösung das gesundheitsschädliche Fipronil enthielt.

Die Desinfektionslösung sei offenbar nie von einer Behörde zugelassen worden, schreibt das Blatt weiter. Als Hersteller/Lieferant werde in dem Papier ein Unternehmen im belgischen Weelde genannt, wo ein Chemikalienhändler firmiere. Dessen Anwalt habe eine Stellungnahme abgelehnt. Die beiden Chefs der Firma Chickfriend waren am Donnerstag bei Razzien festgenommen worden. Gegen sie wird wegen des Verdachts der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und des Besitzes verbotener Stoffe ermittelt.

Der Skandal um die mit Fipronil belasteten Eier reicht mittlerweile bis Asien. Nach Angaben der EU-Kommission wurden in 15 EU-Ländern, der Schweiz und in Hongkong belastete Eier entdeckt. Die EU-Kommission will deshalb am 26. September ein Krisentreffen einberufen. "Es bringt uns nicht weiter, wenn einer dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt. Ich will das stoppen", sagte der für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. Die deutschen Verbraucher fordern wie bei früheren Lebensmittelskandalen schärfere Kontrollen.

Erste Fipronil-Messungen bereits 2016?

Die Niederlande müssen sich in dem Skandal derweil harte Vorwürfe aus dem Ausland gefallen lassen. Der belgische Landwirtschaftsminister Denis Ducarme verwies auf einen internen Bericht der niederländischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, wonach bereits im November 2016 erste Fipronil-Belastungen bei niederländischen Eiern gemessen worden sein soll. Außerdem hätten die belgischen Behörden mehr als einen Monat auf Informationen der niederländischen Kollegen warten müssen, sagte Ducarme. So habe man erst verspätet Gegenmaßnahmen einleiten können. Die Niederlande bestreiten das.

Bislang standen in dem Skandal um Millionen mit dem Insektengift belastete Eier vor allem die belgischen Behörden in der Kritik. Diese hatten bereits Anfang Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall erfahren, die anderen EU-Staaten aber erst am 20. Juli informiert. Diese Verzögerung ist laut Ducarme aber vor allem auf mangelnde Kooperation der Niederlande zurückzuführen.