Homo- und bisexuelle Männer werden in Deutschland beim Gehalt benachteiligt: Während heterosexuelle Männer im Schnitt einen Stundenlohn von rund 18 Euro erhalten, verdienen Homosexuelle und Bisexuelle im Mittel 1,60 Euro weniger. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Hierfür wurden erstmalig die Daten der in Deutschland offen homo- oder bisexuell lebenden Menschen ausgewertet.

In Anlehnung an die Gender-Pay-Gap, die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau beschreibt, bezeichnen die Forscher die beobachtete Differenz als Sexuality-Pay-Gap – allerdings wurde sie nur für Männer festgestellt. Der Lohnunterschied nach sexueller Orientierung steigt bei ihnen sogar noch an, wenn berücksichtigt wird, dass Homo- und Bisexuelle durchschnittlich höhere Bildungsabschlüsse vorweisen können. Auch die unterschiedliche Berufserfahrung kann die Gehaltslücke nicht erklären, so die Studie. 

Homosexuelle haben ein höheres Haushaltseinkommen

Auch wenn eine Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen am Arbeitsmarkt aus diesen Daten nicht sicher bestätigt werden könne, seien die Ergebnisse erklärungsbedürftig, heißt es in der Studie.

Trotz der Lohndifferenzen ist das verfügbare Haushaltseinkommen von sogenannten LGB-Haushalten höher als bei Hetero-Haushalten. Das liegt zum einen daran, dass es unter Lesben, Schwulen und Bisexuellen mit 67 Prozent mehr Doppelverdiener-Haushalte gibt – bei heterosexuellen Paaren liegt dieser Wert bei nur 54 Prozent. Zum anderen sind die LGB-Haushalte im Durchschnitt kleiner: Nur in jedem zehnten Haushalt leben Kinder unter 14 Jahren, wohingegen 27 Prozent der heterosexuellen Paare mit Kindern zusammen wohnen.

Internationale Studien deuteten bereits früher auf ein geringeres Wohlbefinden von Lesben, Schwulen und Bisexuellen hin. Dies macht sich auch in den Zahlen zur allgemeinen Lebenszufriedenheit in der DIW-Studie bemerkbar: Lesben, Schwule und Bisexuelle gaben ihre Zufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn im Schnitt mit einer sieben an; in der Gruppe der Heterosexuellen liegt der Werte 0,4 Punkte höher.

Häufiger krank wegen Diskriminierung?

Die Autoren erklären das damit, dass viele homo- und bisexuelle Menschen chronischem Stress ausgesetzt seien, da sie stigmatisiert oder diskriminiert würden. Das könne zu depressiven Erkrankungen führen, die bei einem Fünftel der homo- oder bisexuellen Befragten diagnostiziert wurden – doppelt so häufig wie bei den heterosexuellen Vergleichspersonen.

Die Persönlichkeiten von Homo- und Bisexuellen unterscheiden sich hingegen kaum von Heterosexuellen. Bei der Wahl von Vertrauenspersonen zählen Homo- und Bisexuelle vergleichsweise weniger auf die Familie, dafür aber mehr auf Freunde. 

Die Studie biete Ansatzpunkte, um mögliche Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen zu bekämpfen, so das Fazit der Autoren. Besonders zeige sie aber, dass es notwendig ist, die sexuelle Orientierung in soziologischen Untersuchungen als Faktoren zu berücksichtigen. Nur so könnten Diskriminierungen aufgedeckt und Homo- und Bisexuelle gleichgestellt werden. Neben den rechtlichen Möglichkeiten gegen diskriminierende Einstellungs- und Lohnpolitik müsse sich "auch die Kultur in Betrieben dahingehend verbessern, dass Vielfalt stärkere Wertschätzung erhält."