Die Staatsanwaltschaft Oldenburg verdächtigt niedersächsische Landwirte, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben. Wie eine Sprecherin sagte, sind die Verantwortlichen niedersächsischer Eierbetriebe betroffen, in denen Eier positiv auf Fipronil getestet wurden.

Bislang wurden in drei Legehennenbetrieben im niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim Eier mit Fipronil gefunden. Hinzugekommen ist inzwischen ein Betrieb mit 25.000 Legehennen im Landkreis Leer. Alle Betriebe wurden gesperrt und die Eier aus dem Verkehr gezogen. Im Landkreis Emsland wurde eine Junghennenaufzucht gesperrt. Zudem wurde bekannt, dass auch im Saarland mit Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind, wie eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums sagte. Damit sind nach Zählung der Deutschen Presse-Agentur mittlerweile alle Bundesländer – mit Ausnahme Sachsens – betroffen.

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Teil der menschlichen Nahrungskette sind, ist in der EU verboten. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beimengte und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen.

Beim Menschen kann die Chemikalie in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Laut Umweltbundesamt ist Fipronil als Gefahrstoff eingestuft, auf Wasserorganismen wirke Fipronil sehr giftig. Die von den belasteten Eiern ausgehenden Gefahren für Verbraucher sind dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge allerdings gering. Gemessen am bislang höchsten in Belgien festgestellten Wert von 1,2 Milligramm Fipronil pro Kilo Ei könnte demnach ein Erwachsener, der 65 Kilo wiegt, binnen 24 Stunden sieben Eier essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird. (Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Fipronil in Lebensmitteln lesen Sie hier.)

Belgien meldete Fipronil-Verdacht erst Wochen später an andere EU-Länder

Bislang waren Ermittlungsverfahren in Belgien und den Niederlanden bekannt. Die Europäische Union warnte Großbritannien, Frankreich, Schweden und die Schweiz, dass einige mit dem Insektizid Fipronil kontaminierte Eier in ihre Länder gelangt sein könnten und empfahl, Informationen zu teilen. Verärgerung hatte ausgelöst, dass die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde schon seit Anfang Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall wusste. Sie hatte die Informationen aber erst am 20. Juli an die anderen EU-Länder weitergegeben.

Nach der offiziellen Bekanntgabe hatte es Dutzende Nachweise in Eiern niederländischer Produzenten gegeben, Millionen dieser Eier waren nach Deutschland, in die Schweiz und nach Schweden geliefert worden. In Deutschland wurde zudem klar, dass das Fipronil-Gemisch an eine Briefkastenfirma sowie vier Geflügelhöfe in Niedersachsen verkauft worden war. Millionen Eier wurden aus den Regalen von Supermärkten genommen und vernichtet. Zudem gab es erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern. Das Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen empfiehlt Verbrauchern, belastete Eier dem Handel zurückzugeben oder mit dem Restmüll zu entsorgen.