Im Fall um giftbelastete Eier ist einem Bericht zufolge ein weiterer gefährlicher Wirkstoff in der Desinfektionslösung für Hühnerställe gefunden worden. Es handle sich um das Pestizid Amitraz, berichtete Der Spiegel und beruft sich auf einen vertraulichen Lagebericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Belgische Behörden stießen demnach bei der Untersuchung von sichergestellten Kanistern mit dem Desinfektionsmittel Dega 16 auf Amitraz-Spuren. Den Fund hätten die Belgier bereits im Juli über das europäische Lebensmittel-Schnellwarnsystem an die übrigen EU-Staaten gemeldet.

Amitraz ist ein Gift, das zum Beispiel bei Hunden gegen Insekten und Milben eingesetzt wird. Als Pflanzenschutzmittel ist es seit 2008 EU-weit nicht mehr zugelassen, bei Menschen kann Amitraz zu Sprachstörungen, niedrigem Blutdruck und Desorientierung führen. Ob und inwieweit das Gift in Eier gelangte, werde derzeit offenbar noch geprüft, berichtet der Spiegel.

Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit soll die niederländische Verbraucherschutzbehörde NVWA die Untersuchungen vornehmen. Bisher sei aber nichts gefunden worden, berichtet der Spiegel. In Deutschland gab es offenbar noch keine größere Überprüfung auf Amitraz. In den Niederlanden waren kürzlich zwei Manager eines Betriebs verhaftet worden, der Dega 16 in vielen Hühnerställen versprühte.

Die belgische Lebensmittelaufsicht allerdings bestätigte dem Bericht zufolge Amitraz-Funde in zwei Proben der Desinfektionslösung. Für Konsumenten habe jedoch "zu keinem Moment eine Gefährdung" bestanden, zitiert der Spiegel einen Sprecher der Aufsichtsbehörde. Die belgische Justiz ermittle derzeit gegen den Lieferanten des Desinfektionsmittels, das offenbar nie von einer Behörde zugelassen wurde.

Der Fall hat seinen Ursprung in Belgien und den Niederlanden. Die belgische Firma Poultry-Vision lieferte ein mit der Chemikalie Fipronil versetztes Desinfektionsmittel an eine niederländische Reinigungsfirma, die es anschließend offenbar in den Ställen von Legehennen einsetzte. Derzeit sind 17 europäische Länder von den Fipronilbelastungen betroffen.