Zwei Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Freie Kameradschaft Dresden (FKD) sind vom Dresdner Landgericht zu Freiheitsstrafen von je drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Die Staatsschutzkammer sah die Vorwürfe der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gefährlichen Körperverletzung, des Landfriedensbruchs und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion nach zehn Verhandlungstagen bestätigt. Für den 19-Jährigen verhängte sie eine Jugendstrafe. Diese und das Urteil für den 27 Jahre alten Mitangeklagten sind noch nicht rechtskräftig.

Die Dresdner Neonazis hatten sich auf einen Handel eingelassen: Für ihre Geständnisse waren ihnen mildere Strafen in Aussicht gestellt worden. Sie gaben deshalb zu, seit 2015 mehrfach Asylbewerber und andere Menschen angegriffen, drangsaliert und verprügelt zu haben. Auch waren sie etwa bei Krawallen vor der Asylbewerberunterkunft in Heidenau im August 2015 sowie im Oktober am Anschlag auf ein linksalternatives Wohnprojekt in Dresden beteiligt. Der Jüngere agierte zudem in einer selbst ernannten Bürgerwehr auf dem Dresdner Stadtfest 2016.

Die FKD sei gebildet worden, um Angst und Schrecken unter Flüchtlingen zu verbreiten und politische Gegner zu beeindrucken, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Kubista. Alle Gewalttaten seien geplant worden, das Vorgehen sei konspirativ gewesen, mit eigenem Infohandy, separaten Chats und einheitlichem Logo. Die Mitglieder seien bewaffnet und einheitlich vermummt gewesen. "Sie nahmen sich als Organisation wahr, die bis mindestens Februar 2016 bestand."

Kooperation mit der Gruppe Freital

Die FKD war bei Angriffen auf Flüchtlingsheime aufgefallen, teils in Kooperation mit der unter Terrorverdacht stehenden Gruppe Freital. Im Zuge der Ermittlungen gegen die Neonazigruppe wurden bisher zehn Beschuldigte verhaftet.

Am 13. September soll vor dem Landgericht Dresden ein zweiter Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung beginnen. Angeklagt sind eine 27-Jährige und fünf Männer zwischen 22 und 29 Jahren.