Der verurteilte Patientenmörder Niels H. soll 84 weitere Menschen umgebracht haben. Das teilten die Ermittler in Oldenburg mit. Der heute 40-jährige ehemalige Krankenpfleger musste sich vor Gericht bereits für sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten und verbüßt derentwegen derzeit eine lebenslange Haftstrafe.

Das Gericht sah die besondere Schwere der Schuld als gegeben an, was eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausschließt. Es verhängte ein Berufsverbot. Würde Niels H. auch für die 84 weiteren Taten für schuldig befunden, wäre es eine der größten Mordserien in der deutschen Kriminalgeschichte.

H. hatte den Patienten eine lebensgefährliche Dosis eines Herzmittels gespritzt, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Das gelang ihm nicht in allen Fällen. Schon in seinem ersten Prozess wurde klar, dass es mehr Opfer gab: Niels H. hatte deutlich mehr Taten gestanden. Auch an einer früheren Arbeitsstelle am Klinikum Oldenburg soll er Patienten getötet haben. 

Eine Soko ermittelte

Wie viele Menschen der ehemalige Pfleger tatsächlich auf dem Gewissen hat, versuchte über drei Jahre eine Sonderkommission der Polizei zu klären. Die Ermittler werteten Hunderte Patientenakten aus und ließen mehr als 100 Leichen ausgraben, um diese auf Rückstände von Medikamenten zu testen. Viele verstorbene Patienten seien jedoch eingeäschert worden, sagte der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme. Deshalb liege die Zahl der Todesfälle, für die Niels H. verantwortlich sei, wahrscheinlich noch um ein Vielfaches höher.

Weil auffällig viele Patienten während der Schichten von Niels H. starben, gab es an beiden Kliniken Gerede. In Delmenhorst lagen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber auch konkrete Hinweise vor, dass er Patienten tötete. Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen. Die Ermittlungen gegen Verantwortliche am Klinikum Oldenburg laufen noch. "Die Morde hätten verhindert werden können", sagte Kühme. Die damals Verantwortlichen hätten aus Sicht der Ermittler schneller handeln und Unterstützung suchen sollen. "Im Klinikum Oldenburg wusste man um die Auffälligkeiten", sagte Kühme.