Überall finden sich in diesen Tagen Vergleiche zu New Orleans. "Dies ist nicht der Superdome", sagte der texanische Gouverneur Greg Abbott in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Donald Trump in Corpus Christi. Er bezog sich auf das Stadion, in dem nach dem Wirbelsturm Katrina vor zwölf Jahren Bewohner unter katastrophalen Bedingungen tagelang hatten ausharren müssen. In Texas seien die gestrandeten Bewohner dagegen sicher und gut versorgt. Die Verantwortlichen bemühen sich, den Wirbelsturm Harvey nicht zu einer zweiten Katrina werden zu lassen. Die träge Reaktion der Regierung hatte damals landesweit für Kritik gesorgt; für die Bush-Regierung wurde sie zur politischen Katastrophe. Trump will es besser machen. "In fünf Jahren", sagte der Präsident, solle man zurückblicken und sagen: "So wird es gemacht."

Dabei liegt das Problem nach Meinung vieler nicht in der kurzfristigen Reaktion. Denn die Fluten in Texas kamen alles andere als plötzlich. Längst sind die Stürme und Überschwemmungen für den südlichen Bundesstaat zur Routine geworden. Schon 2015 und 2016 war die Region von Überschwemmungen getroffen worden, vielerorts sind die Reparaturen bis heute nicht abgeschlossen. 76 Prozent der Texaner waren damals betroffen. In einigen Gegenden haben sich die Anwohner so sehr an die Warnungen gewöhnt, dass sie den Spitznamen "Flash Flood Alley" tragen. Eine Versicherung gegen die Fluten haben sie in der Regel nicht.

Klimawandel verstärkt Extremwetterlagen noch

Kritiker fürchten, künftig könnten durch den Klimawandel noch mehr Menschen im Land von Überflutungen und Stürmen getroffen werden. 123 Millionen Menschen leben in den USA in Küstennähe. Bis 2035 seien 170 Gemeinden von chronischer Überschwemmung bedroht, schätzt die Organisation Union of Concerned Scientists. Bis 2060 seien es 270. Die Verantwortlichen hätten es versäumt, das Land auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten, kritisiert Klimaforscherin Shana Udvardy von der Wissenschaftlervereinigung. "In 90 Prozent der Fälle kommen die Ressourcen noch immer erst nach der Katastrophe an."

Seit Hurrikan Sandy vor fünf Jahren weite Teile der Küstengemeinden in New York überflutet und unzählige Häuser zerstört hat, gab es hier kaum Fortschritte. Zwar haben die Behörden gut 2,6 Millionen Kubikmeter Sand an den Stränden aufgehäuft, die Holzpromenade durch Beton ersetzt, und die lokale Restaurantszene half dabei, die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Doch der langfristige Plan, die Strandgemeinden vor Hochwasser zu schützen, wird seit Jahren nicht vorangetrieben. Die Kosten werden auf vier Milliarden Dollar geschätzt, bislang sind nur 400 Millionen Dollar angekommen. Einem Bericht der Organisation Waterfront Alliance zufolge besteht für knapp 75.000 Bewohner der Region noch immer ein Risiko von 50 Prozent, bis 2060 ihr Haus durch Überschwemmungen zu verlieren. "Die Wahrheit ist, wir haben kaum Fortschritte gemacht", sagt CEO Roland Lewis.