Die finnische Polizei hat Zweifel an der Identität des wegen der tödlichen Messerattacke in Turku festgenommenen Mannes. Es gebe Gründe für die Annahme, dass der Verdächtige bei der Einreise falsche Angaben gemacht habe, sagte Markus Laine vom finnischen Kriminalamt der Nachrichtenagentur Reuters. 

Der Verdächtige wurde als Abderrahman M. identifiziert. Ihm wird vorgeworfen, am Freitag in Turku zwei Frauen erstochen und weitere acht Menschen verletzt zu haben. Bei einem Videoverhör mit einem Haftrichter gab er die Tat zu. Nach Angaben seines Anwalts bestritt er aber, ein terroristisches Motiv gehabt zu haben. Zu den Motiven des Attentäters könne derzeit nichts mitgeteilt werden, sagte dagegen Ermittler Laine. "Er ist nicht bereit, alle Fragen zu beantworten."

Der mutmaßliche Täter wurde bei seiner Festnahme von der Polizei angeschossen und befindet sich seitdem im Krankenhaus. Er soll heute ins Gefängniskrankenhaus in der südfinnischen Stadt Hämeenlinna verlegt werden.

Nach Angaben des Roten Kreuzes war der heute mutmaßlich 18-Jährige 2016 nach Finnland gekommen und lebte in einem Flüchtlingsheim in Turku. Davor soll er sich einige Zeit in Deutschland aufgehalten haben. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte, M. habe kein Asyl in Deutschland beantragt, sei aber wegen illegalen Aufenthalts im Land bei den Behörden registriert. Dabei wurden seine Fingerabdrücke aufgenommen.


Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur nutzte M. auch schon bei seinem Aufenthalt in Deutschland mehrere Identitäten. Er hielt sich unter anderem in Niedersachsen auf. In Neuss wurde ihm Körperverletzung vorgeworfen. Wegen Terrorverdachts soll er den Behörden aber nicht aufgefallen sein.

Neben M. hatte die Polizei vier weitere Personen aus seinem Umfeld festgenommen. Für drei der Männer wurde nun Untersuchungshaft angeordnet. Der vierte Verdächtige wurde freigelassen. Auch zwei der weiteren Verdächtigen sollen sich in Deutschland aufgehalten haben ohne im Zusammenhang mit Terrorismus aufgefallen zu sein. Einer der Verdächtigen soll mehr als fünf Identitäten benutzt haben. Er ist wegen Raubes und illegalen Aufenthalts aktenkundig geworden.