Zum 44. Geburtstag des in der Türkei inhaftierten Deniz Yücel haben in Berlin mehrere Hundert Menschen für die Freilassung des Welt-Korrespondenten demonstriert. In einem Auto- und Fahrradkorso zogen sie durch die Stadt und versammelten sich vor dem Bundeskanzleramt.

Auch die Schwester des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten, Ilkay Yücel, setzte sich auf der Bühne für ihren Bruder ein. "Danke, dass Sie Deniz nicht alleine gelassen haben", sagte sie. Yücel sitzt seit mehr als 200 Tagen in der Türkei im Gefängnis. Ihm werden Terrorpropaganda und die Unterstützung von Terroristen vorgeworfen. Offenbar ist damit die verbotene kurdische Untergrundorganisation PKK gemeint.

Auf der kleinen Bühne vor dem Kanzleramt kritisierten die Demonstranten vor allem den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, von der Bundesregierung fordern sie ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Türkei. "Die Regierung muss die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Türkei abbrechen", sagte Doris Akrap, eine der Organisatorinnen.

Wirtschaftssanktionen könnten größeren Druck erzeugen als moralische Appelle, ergänzte Akrap. Die Bundesregierung müsse die Drohung von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) umsetzen und die sogenannten Hermesbürgschaften einstellen. Über diese übernimmt der deutsche Staat Zahlungsrisiken deutscher Unternehmen, die in die Türkei exportieren.

Viele Teilnehmer hinterließen auf der mit Ballons geschmückten Bühne ihre Geburtstagswünsche. Zudem sangen sie "Happy Birthday" anlässlich Yücels Geburtstag.

Besuchsverbot, Nazivorwürfe, Reisewarnung

In der Türkei sitzen aktuell mehr als 50 deutsche Staatsbürger in einem Gefängnis, zwölf davon aus politischen Gründen. Zu dieser Gruppe gehört neben Yücel und Steudtner auch die Journalistin Meşale Tolu, die mit ihrem zweijährigen Sohn in einem Istanbuler Gefängnis inhaftiert wurde. Das Auswärtige Amt bemüht sich seit Wochen um die konsularische Betreuung festgenommener Deutscher, die von den türkischen Behörden verweigert oder nur sporadisch zugelassen wird. Insgesamt sitzen in der Türkei derzeit 170 Journalisten in Haft, die meisten davon sind Türken.

Nicht zuletzt die Inhaftierung deutscher Staatsangehöriger hat das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland massiv belastet. So untersagte die Führung in Ankara Bundestagsabgeordneten wiederholt den Besuch deutscher Soldaten in türkischen Bundeswehrstützpunkten. Die Bundesregierung wurde mehrfach mit Nazivorwürfen konfrontiert. Präsident Erdoğan gab Deutschtürken die Wahlempfehlungen, bei der Bundestagswahl die Grünen, SPD und CDU nicht zu wählen. 

Deutschland reagierte unter anderem mit einer Verschärfung seiner Reisehinweise, wodurch die Türkei wiederum ihrerseits eine Reisewarnung für Deutschland aussprach. In einer Erklärung des türkischen Außenministeriums hieß es unter anderem, türkische Bürger, die in Deutschland lebten oder planten, dorthin zu reisen, "sollten vorsichtig sein und umsichtig handeln im Falle möglicher fremdenfeindlicher oder rassistischer Zwischenfälle, Verhaltensweisen oder verbaler Attacken".