Bis zu 37 Millionen Menschen könnten nach Schätzungen der Vereinten Nationen von den Auswirkungen des Hurrikans Irma betroffen sein. Ein UN-Sprecher Stéphane Dujarric sagte, ein Hilfsteam der Vereinten Nationen sei bereits auf die Karibikinsel Barbados gereist, weitere Teams stünden bereit. In Haiti hätten sich dort stationierte UN-Mitarbeiter auf den Hurrikan vorbereitet und stünden ebenfalls bereit, Nothilfe zu leisten.

Irma ist ein Hurrikan der höchsten Stufe fünf und einer der schwersten jemals in der Karibik registrierten Tropenstürme. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometern pro Stunde zog er am Mittwoch über die Kleinen Antillen im Südosten der Karibik hinweg. Laut Wetterexperten soll er nun in Richtung Jungferninseln, Puerto Rico, Dominikanische Republik und Haiti weiterziehen. Der Hurrikan hat bereits erhebliche Schäden angerichtet.

Auch in den USA bereiten sich Bewohner und Behörden auf Irma vor, der als einer der stärksten Atlantik-Stürme seit rund hundert Jahren gilt. Nur zwei Wochen, nachdem Hurrikan Harvey in den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana verheerende Schäden verursacht hatte, rechnen Experten damit, dass Irma den Bundesstaat Florida erreichen wird.


Gouverneur Rick Scott sprach von einer "ernsten Bedrohung", der Sturm könnte der schlimmste Sturm in der Geschichte des Landes werden. Alle Einwohner sollten sich für drei Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln eindecken. "Nehmt, was ihr braucht, aber nehmt nicht mehr", sagte Scott mit Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe.   

Wirbelsturm Irma

Die graue Linie ist die wahrschein­lichste Route. Die Fläche zeigt, wo Irma von dieser abweichen könnte, nicht die Größe des Sturms.

Örtliche Wetterdienste sagten voraus, dass die ersten Winde und Regenfälle Süd-Florida am späten Freitag erreichen könnten. In Süd-Florida wurden erste Schulen geschlossen. Zahlreiche Touristen wurden aufgefordert, die Urlauberinsel Key West zu verlassen. In Miami Beach bereiteten sich die Menschen mit Hamsterkäufen auf den herannahenden Sturm vor. In einem Supermarkt standen ganze Regalreihen leer.

Trump ruft Notstand aus

US-Präsident Donald Trump rief für den Bundesstaat sowie für die US-Außengebiete Puerto Rico und Virgin Islands den Notstand aus – dadurch werden Bundesmittel freigegeben. Der Gouverneur von Puerto Rico, Ricardo Rossello, setzte die Nationalgarde ein und ließ Notunterkünfte für bis zu 62.000 Menschen öffnen. Der Ministerpräsident der Bahamas, Hubert Minnis, ordnete die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte des Landes an: Bewohner der sechs südlichen Inseln des Landes sollen in die Hauptstadt Nassau geflogen werden.

Auch in Haiti könnte der Sturm schwere Schäden anrichten. Die Hilfsorganisation Care bereitet Nothilfemaßnahmen vor; Trinkwasser, Lebensmittel und Zeltplanen für Notunterkünfte würden bereit gestellt. "Durch den starken Wind und heftige Regenfälle drohen Überschwemmungen und Schlammlawinen, die zur Verschmutzung des Trinkwassers führen könnten", warnte Karl Paul, Care-Länderdirektor für Haiti. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichten, vor allem Bewohner in den besonders gefährdeten Armenvierteln wüssten noch gar nichts von der drohenden Katastrophe.

Springfluten und Überschwemmungen

Die Behörden müssen zudem ohne die Hilfe der UN-Stabilisierungsmission (Minustah) auskommen, die in Erwartung ihres baldigen Endes ihres Mandats bereits einen Großteil ihrer schweren Ausrüstung abgezogen hat. So stehen für die rund eine Million Menschen, die rund um die Hafenstadt Cap-Haïtien leben, ganze drei Krankenwagen zur Verfügung. Stabile Notunterkünfte gibt es so gut wie keine. Haiti kämpft immer noch mit den Auswirkungen von Hurrikan Matthew, durch den im Oktober vergangenen Jahres im Süden des Landes mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen waren.

Wirbelsturm - Hurrikan Irma erreicht die Karibik Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Stundenkilometern ist der Hurrikan in der Karibik auf Land getroffen und hat Straßen überschwemmt. In der Dominikanischen Republik kündigt sich Irma bereits mit schweren Regenfällen an. © Foto: NOAA National Weather Service National Hurricane Center/Reuters

Hurrikan Irma hatte zunächst an der Insel Barbuda und dann auf der Nachbarinsel Antigua Land erreicht. Weitere Schäden verursachte er auf den Karibikinseln Saint-Barthélémy und Saint-Martin. Nach Angaben der französischen Regierung hat es heftige Springfluten gegeben, ganze Küstengebiete wurden überschwemmt. Der Sturm habe die Dächer von zahlreichen Häusern fortgerissen und für Stromausfälle gesorgt. Der Sturm war als "potenziell katastrophal" eingestuft worden.