Die Hilfsorganisation Jugend Rettet sieht sich zu Unrecht verdächtigt, bei der Rettung von Flüchtlingen vor der Küste Libyens mit Schleppern kooperiert zu haben. Die Ermittlungen der italienischen Justiz gründeten sich auf aus dem Kontext gerissenen Informationen, teilte die Nichtregierungsorganisation (NGO) mit. 

Nach Aussagen des Rechtsanwalts der NGO, Leonardo Marino, wurde bisher keine Anklage gegen die gesamte Organisation oder einzelne Mitglieder von Jugend Rettet erhoben. Auch würden die Ermittlungen Unregelmäßigkeiten aufweisen, sagte der Anwalt. So stamme der Anfangsverdacht von zwei Zeugen mit Verbindungen zur rechten Identitären Bewegung in Italien. Die Bewegung ist ein Netzwerk rechter Aktivisten und wird in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet.  

Beweisfotos "bewusst falsch ausgelegt"

Zuvor hatte Jugend Rettet in der sizilianischen Stadt Trapani vor Gericht Einspruch gegen die Beschlagnahmung ihres Rettungsschiffs Iuventaeingelegt. Die italienische Polizei hatte das Schiff im August vor der Insel Lampedusa aus dem Verkehr gezogen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Begünstigung illegaler Migration. Die Organisation konnte seitdem ihre Mission nicht mehr fortsetzen.  

Konkret wirft die italienische Justiz der Organisation vor, Boote zurück an Schlepper zu übergeben, anstatt sie zu zerstören. Unter anderem soll das ein Foto belegen, das ein verdeckter Ermittler an Bord eines Schiffs der NGO Save the Children aufgenommen habe. Das Bild sei in einem gänzlich anderen Zusammenhang entstanden, teilte Jugend Rettet mit. Man sei während eines Einsatzes angewiesen worden, das Holzboot aus Sicherheitsgründen aus dem Weg zu räumen.

Laut dem Sprecher der Organisation, Philipp Külker, seien die gegen Jugend Rettet aufgeführten Beweise "völlig aus dem Kontext gerissen". Informationen wie Fotos und Logbucheinträge seien "instrumentalisiert und bewusst auf erschreckende Weise falsch ausgelegt" worden, sagte Küker. Entweder die italienischen Ermittler hätten "schlampig" gearbeitet oder es solle der Eindruck erweckt werden, dass Jugend Rettet und andere Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer Hand in Hand mit den Schleppern arbeiteten, sagte Adrian Knöpfel, der sich bei Jugend Rettet um rechtliche Belange kümmert.

Transparenzhinweis: Jugend Rettet wurde vom Publikum des Z2X-Festivals im September 2016 ausgezeichnet. ZEIT ONLINE hat das Festival organisiert.