Ein oder mehrere Unbekannte erpressen Einzelhandelskonzerne mit vergifteten Lebensmitteln. Gefordert werde von den Unternehmen ein "niedriger zweistelliger" Millionenbetrag, teilte der Konstanzer Vize-Polizeipräsident Uwe Stürmer mit. Sollten die Konzerne nicht zahlen, würden bundes- und europaweit vergiftete Lebensmittel in den Filialen der Konzerne deponiert, laute die Drohung. Welche Lebensmittelkonzerne und Drogerieunternehmen betroffen seien, sagte Stürmer nicht.

Die Drohung sei glaubhaft, da der Täter am 16. September fünf Verpackungen mit vergifteter Babynahrung in Lebensmittelgeschäften abgestellt habe, sagte der Polizei-Vizepräsident. Der Täter habe die Polizei darüber informiert, sodass die Produkte sichergestellt werden konnten. In ihnen sei Ethylenglycol gewesen, eine bei Raumtemperatur farblose Flüssigkeit. Der Verzehr kann lebensbedrohlich sein. Es drohten "sehr ernsthafte Gesundheitsgefahren bis hin zum Tod", sagte ein Polizeisprecher. Die Menschen sollten auf manipulierte Produkte achten und die Polizei informieren. Es gebe aber keinen Grund für Panik und Hysterie.

Ministerialrätin Petra Mock vom Verbraucherschutzministerium in Stuttgart sagte, ordnungsgemäß verpackte Lebensmittel in Glasverpackungen hätten üblicherweise einen Deckel, der aufgrund des Vakuums nach innen gewölbt sei. Beim Öffnen höre man ein Klacken.

Nicht nur Babynahrung

Grundsätzlich könnten aber auch andere Produkte als Babynahrung betroffen sein, so die Polizei. Der Erpresser habe gedroht, 20 verschiedene Lebensmittel zu vergiften, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger. Die Polizei betonte, sie nehme die Drohung sehr ernst. Es sei davon auszugehen, dass der Täter sehr skrupellos sei, so Stürmer.

Um den Fall zu klären, wurde eine Sonderkommission "Apfel" mit rund 220 Ermittlern gegründet. Eine internationale Fahndung nach dem Erpresser, vor allem in Österreich und der Schweiz, läuft.

In einem betroffenen Markt in Friedrichshafen am Bodensee sei ein Verdächtiger von einer Überwachungskamera aufgenommen worden. Die Behörden veröffentlichten ein Foto eines etwa 50 Jahre alten Mannes mittlerer Größe mit schlanker, sportlicher Statur. Der Mann habe "eventuell zur Tarnung" eine Brille getragen, so die Polizei. Besonders auffällig sei ein weißer Sohlenrand an den Sportschuhen des Abgebildeten. "Bei dem Mann handelt es sich sehr wahrscheinlich um den Giftausbringer."